,

Verfügbarkeitsheuristik ist eine weitere kognitive Verzerrung, die uns im Alltag begleitet. Heuristik (aus dem Griechischen: entdecken) bezeichnet dabei den Vorgang, mit begrenztem Wissen auf andere Sachverhalte zu schließen. Das Phänomen bezieht sich darauf, dass Menschen Wahrscheinlichkeiten für die Häufigkeiten bestimmter Ereignisse anhand der Leichtigkeit bestimmen, mit der einem Beispiele dafür einfallen. 

Abb. 2: Das Modell zur Verfügbarkeits- und Affektheuristik der Referatsgruppe

In einem Experiment konnten wir belegen, dass uns in manchen Situationen weniger Belege stärker überzeugen können. Das steht entgegen der Annahme, dass wir uns in je einer bestimmten Eigenschaft besser einschätzen, je mehr Belege uns dafür einfallen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn wir von jemandem aufgefordert werden, konkrete Belege zu finden und ab einer bestimmten Anzahl Schwierigkeiten haben, uns an welche zu erinnern. Diese Schwierigkeit wird folglich falsch interpretiert, als Mangel an Belegen und dementsprechend auch Mangel an einer bestimmten Eigenschaft. Wenn wir Informationen in Form von Beispielen abrufen, beeinflussen mehrere Faktoren, wie gut uns dies gelingt, sodass wir die eigentliche Frage: Wie wahrscheinlich ist etwas? durch die Vereinfachung Wie leicht fallen mir Beispiele dafür ein? ersetzen. Kategorien, die beeinflussen, wie gut das gelingt, sind die Verfügbarkeit (retrievability), wie effektiv wir suchen können (searchability), unser Vorstellungsvermögen (imaginability) und die Verknüpfbarkeit beziehungsweise Plausibilität (connectability). 

Affektheuristik ersetzt die Frage: Wie wahrscheinlich ist etwas? durch die Frage: Was halte ich von etwas? Diese Frage versuchen wir zu beantworten, indem wir uns mit den Emotionen auseinandersetzen, die wir mit dem Thema verbinden. Besonders relevant sind dabei alte Muster und neuer Input, die wir aus Gewohnheit verwenden, ohne zu berücksichtigen, wie relevant und übertragbar sie für diese Situation sind.

Verfügbarkeitsheuristik sehen wir zwar als kognitive Verzerrung an, die uns jedoch auch bei der Alltagsbewältigung helfen kann, da die Plausibilität, die wir etwas zuordnen, nicht unbegründet ist. Die Verfügbarkeitsheuristik ist ein Phänomen, dass bei der Steigerung zur Verfügbarkeitskaskade und unter Zeitdruck unbewusst unsere Denkweise noch stärker beeinflusst. Dies demonstriert ebenfalls ihre Problematik und im Grunde auch ihre Unumgehbarkeit.

Schreibe einen Kommentar

Du bist angemeldet als Benedikt Schächner. Dein Profil bearbeiten. Abmelden? Erforderliche Felder sind mit * markiert