Dentale Frikativlaute der englischen Sprache bei deutschen Englisch Lernenden

Madita Kresing 

Nathanael Mena 

Einleitung

Die Linguistik ist die Wissenschaft, welche sich mit der Analyse menschlicher Sprachen beschäftigt. Die Inhalte der Linguistik lassen sich in fünf Teilbereiche einteilen: Phonetik, Phonologie, Morphologie, Syntax und Pragmatik. Im Folgenden beschäftigen wir uns mit der Phonetik, genauer gesagt den unterschiedlichen Aussprachen des Englischen und welche sozialen Faktoren darauf Einfluss nehmen. 

Das linguistische Phänomen der frikativen Dentallaute, unter welches auch das <th> fällt (/θ/;/ð/) ist eine Eigenheit der englischen Sprache, die es im Deutschen nicht gibt. Aufgrund dieses Phonems tendieren deutsche Englischsprecher zu ähnlich erzeugten Lauten und sorgen so für den typisch deutschen Laut, der eher einem [d t v f z s] ähnelt (Sönning).

In anderen Studien wurde bereits festgestellt, dass die deutsche Aussprache die zuhörende Person vom Inhalt der Aussage ablenkt und die Autorität der sprechenden Person vermindert wahrgenommen wird. Zusätzlich wurde die Kompetenz des Sprechers vermindert eingeschätzt (Sönning).

Die Genauigkeit des Sounds variiert je nach Position. Wenn der Sound in der Mitte eines Wortes vorkommt (bsp.: mother), erzielen die meisten Probanden einen dentalen Frikativ (60% Genauigkeit). Im Gegensatz dazu wird die gewünschte Aussprache bei s in der Endposition nur in <10% der Fälle erzielt. In der Anfangsposition misslingt der Sound den meisten Sprechern, allerdings erhöht sich die Genauigkeit bereits nach ein oder zwei Jahren auf ca.40%. Es wurde ebenfalls festgestellt, dass sich nach drei Jahren des Lernens die Treffgenauigkeit der initialen und finalen Laute kaum noch verbessert hat. 

In der folgenden Untersuchung soll überprüft werden, ob die Wahl der alternativen Laute für verschiedene soziale Faktoren beeinflusst wird, wie zum Beispiel Geschlecht, Alter und Region. Außerdem fokussieren wir uns ebenfalls auf die sprachliche Historie der Probanden, einschließlich ihrer erst erlernten Sprache, wie lange sie bereits Englisch lernen, ihre Einschätzung der eigenen Sprachkenntnisse und die Menge an englischen Inhalten, welche ihnen im Alltag begegnen. 

Daten und Analysen 

Methodik

Die vorliegende Studie bezieht ihre Daten aus quantitativ- und qualitativ-empirischen Methoden, welche sowohl Sprachaufzeichnungen, als auch Fragebögen verwendet. Den Probanden wurde ein ihnen unbekannter Tagebucheintrag vorgelegt (siehe unten), welchen sie mit einer hohen Geschwindigkeit vorlesen sollten. In Einverständnis mit den Probanden wurden die Lesungen aufgezeichnet und gezielt die <th> Laute bzw. deren alternative Realisationen herausgearbeitet. Zusätzlich wurden ihnen Fragen zu persönlichen, sozialen Faktoren gestellt. Mithilfe einer zugeteilten ID konnten die Sprecher anonym bleiben, gleichzeitig lässt sich jedoch eine Verbindung zwischen persönlichen Daten und Sprachaufzeichnungen herstellen. 

A diary entry 

Dear diary, 
Today is the 3rd of August and the academy will start soon. 
I’m about to go to the bathroom but the toothpaste is empty, I´ll have to brush my teeth with soap.
I think that my workshop deals with game theory. 
My mother called yesterday and told me that my brother won’t be able to visit me on Thursday, even though it´s my birthday. 
I can already feel my breath soothing and I’m looking forward to the warmth of my bedsheet. 
See you soon, 
Luke
 

Der analysierte Text enthält insgesamt 23 Sounds, davon 12 initial, 6 interne und 5 finale Positionen. Davon 11 stimmhaft (ð) und 12 stimmlos (θ).

Ergebnisse

IDAlterGeschlechtBundeslandFirst LanguageLängeBewertung Quote INIQuote INTQuote FINQuote D
1720wHesChi10325836056
1620mBwDe104100838088
1530mSaarAra, De10592838085
1418wNrwDe838310010094
1317wBerDe84100838088
1218wNrwDe103838310089
1117mBwDe531001006087
1018wBayDe83501008077
917mBwDe103501006070
849wSaADe103821006087
713mBwBs5333836049
617wBerDe831001008093
517mNrwDe947510010092
417wBayDe94928310092
317mBwDe104100100100100
217wBayRus83100100100100
117wBwKor1038310010094

Die oben abgebildete Tabelle stellt die Ergebnisse der personenbezogenen Umfrage und die Auswertung der aufgezeichneten Sprachaufnahmen dar (Quoten). Die Quoten sind in % angegeben, d.h. eine Quote von 100 gibt eine Zielsprachlauttreffgenauigkeit von 100% an. In einer Rechnung wurde der Gesamtdurchschnitt der jeweiligen Probanden berechnet, was die Quote D zur Folge hat, anhand welcher wir ab jetzt weiterarbeiten.

Analyse

Im Folgenden sollen die Ergebnisse der Untersuchung ausgewertet werden. Wir fokussieren uns dabei auf die potentiell erkennbare Korrelation zwischen der erzielten Durchschnittsquote (Tabelle, rechte Spalte) und a) Geschlecht, b) Alter, c) Bundesland, d) erst erlernte Sprache und e) Länge des Englisch Lernens

Geschlecht

Anhand der Grafik lässt sich ablesen, dass die männlichen Probanden durchschnittlich etwas schlechter abschneiden als die weiblichen Probandinnen. Da der Unterschied nur minimal ist, lässt sich nicht effektiv eine Korrelation ableiten, deshalb bewerten wir den Faktor Geschlecht als nicht-relevant im Bezug auf die Aussprache des <th>.

Alter

Bei dem Alter der Probanden lässt sich feststellen, dass junge Menschen unter 20 Jahren eine auffallend hohe Trefferquote haben, mit der Ausnahme einer 13-Jährigen Person. Die Zwanzigjährigen hingegen sind vergleichsweise niedriger positioniert und weisen die zweitniedrigsten Werte auf. Mit steigendem Alter der Probanden steigt auch die Treffgenauigkeit bei der Aussprache des <th> Lautes wieder.

Ob eine englische Aussprache des zu untersuchenden Phonem-Lautes tatsächlich in Verbindung mit dem Alter der zu Untersuchenden steht, lässt sich nur schwer sagen, da hierfür nicht genügend Leute unterschiedlichen Alters befragt wurden. Mehr dazu in der Diskussion.

Bundesland

Die Probanden. welche in Bayern oder Nrw aufgewachsen sind, haben die höchste Quote erzielt. Da der Abstand allerdings nicht deutlich zu anderen Bundesländern ausgeprägt ist und die Menge an Personen, welche befragt wurden, zu gering ist, wird dieser Faktor ebenfalls nicht als relevant klassifiziert.

First Language

Viele der Befragten haben eine andere Erstsprache als die deutsche. Anhand dessen lassen sich ebenfalls Beobachtungen machen. Menschen, die eine asiatische Sprache zuerst erlernt haben, treffen das <th> tendenziell besser, mit einzelnen Ausnahmen, wie dem des Chinesischen. Auch hier gilt allerdings wieder die Devise, dass für eine vollständige Repräsentation zu wenige befragt wurden.

Länge des Englischsprechens

Menschen, welche die englische Sprache schon länger sprechen, haben auch eine vergleichsweise bessere Aussprache als Menschen, die es erst seit relativ Kurzem lernen. Hierbei ziehen wir die Grenze von 5 Jahren, da so eine klare Tendenz sichtbar wird. 

Diskussion

Das Ziel der Untersuchung war es, den Einfluss von sozialen Faktoren auf die Aussprache des <th> festzustellen und mögliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Bei näherer Betrachtung der Ergebnisse der Umfrage im Zusammenhang mit der Auswertung der Vorlesungen konnten wir feststellen, dass das Alter, die erst erlernte Sprache und die Länge des Zeitraums des Englisch Lernens die Quote der Probanden beeinflussen. Das Geschlecht und das Bundesland jedoch nicht. 

Probanden haben tendenziell mit zunehmendem Alter ihre Treffgenauigkeit verbessert, was aus zunehmender Erfahrung und Konfrontation resultieren könnte. Diese Hypothese wird ebenfalls von dem Faktor Länge unterstützt, denn es ist eine klare Differenz zwischen der Treffgenauigkeit des Lauts <th> bei <5 Jahren im Kontrast zu 8 bis 10 Jahren zu erkennen.

Zusätzlich erkennt man, dass Probanden, dessen erste erlernte Sprache (first language) aus Asien stammt, tendenziell den <th> Sound besser aussprechen können. Dieses Ergebnis könnte mit der Phonetik der jeweils erlernten Sprachen zusammenhängen, da der <th> Laut ebenfalls in der Sprache existieren könnte, oder es gibt keinen Laut, der ihm ähnelt, welcher eine potentielle alternative Aussprache sein könnte.

Allerdings sollte man anmerken, dass die Menge der befragten Personen sich aus zeitlichen Gründen nur auf 17 Personen beschränkt und deshalb keine generalisierenden Aussagen getroffen werden können. 

Schluss

Alles in allem lässt sich die Untersuchung als wenig repräsentativ für die breite deutsche Bevölkerung festhalten. Nichtsdestotrotz konnte man Tendenzen feststellen, welche sich bei einer größeren und aufwändigen Untersuchung möglicherweise bewahrheiten würden.

Quellenverzeichnis

Krug, Manfred. „English dental fricatives and their substitutes in EFL learners: A study of L1-German university students and implications for EFL teaching.“ Englische Sprachwissenschaft und Fachdidaktik im Dialog, edited by Anna Rosen and Katharina Beuter, Narr, 2026, 65-82.

Sönning, Lukas. Phonological variation in German Learner English, University of Bamberg, Dissertation, 2020.

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