
„Where are the women’s shoes?“
„Fourth floor.“
So versuchte der Soziolinguist William Labov 1972 Unterschiede im Sprachgebrauch empirisch zu belegen. Dabei fand er heraus, dass Sprecher*innen aus verschiedenen sozialen Schichten das Phonem /r/ unterschiedlich realisieren. Mit dieser Art der empirischen Erforschung der (englischen) Sprache beschäftigte sich auch der Kurs 1.5. Wie bei Labov, stand zum Einen das Konzept der Alternanz im Fokus, also die Wahl zwischen vermeintlich bedeutungsgleichen sprachlichen Formen. Zum Anderen beschäftigten wir uns mit Sprachhaltungen oder language attitudes.
Der erste Block des Kurses diente dazu die Grundlagen der Sprachwissenschaft oder Linguistik zu erarbeiten, um ein grundlegendes Verständnis davon zu gewinnen, was es bedeutet, Sprache zum Forschungsgegenstand zu machen. Dabei eingeschlossen wurden die Teilbereiche der Phonetik und Phonologie, der (Flektions-)Morphologie, der Syntax und der Pragmatik. Daran anschließend diskutierten wir die Soziolinguistik als übergreifende Forschungsweise, die den Zusammenhang zwischen sprachlichen Strukturen und sozialen Faktoren untersucht.
Im zweiten Block lag der Fokus auf dem empirischen Arbeiten, in dem wir die Korpuslinguistik als erste Methode einführten. Darunter wird die empirische Wissenschaft verstanden, die quantitativ authentische Text-Datensätze, sogenannte Korpora, auswertet. Die Teilnehmenden analysierten dort bereits konkrete linguistische Alternanzen, wie den englischen Genitiv. Als zweite Methode wurden linguistische Fragebögen diskutiert, die die Möglichkeit bieten, Proband*innen gezielt auf Sprache oder andere Impulse reagieren zu lassen. Fragebögen eignen sich daher besonders gut, um Sprachhaltungen zu erheben.
Im letzten Block ordneten wir empirische Methoden, sowie die Soziolinguistik ein und diskutierten sie kritisch. Am Ende des Kurses verstehen die Teilnehmenden, dass und warum es mehrere sprachliche Möglichkeiten gibt das gleiche Konzept auszudrücken, können empirische Methoden anwenden und besitzen die Fähigkeit Ergebnisse zu verstehen, zu interpretieren und kritisch zu hinterfragen.
Herzstück des Kurses waren die Forschungsprojekte, die die Teilnehmenden in Zweiergruppen eigenständig durchführten. Die Themen- und Methodenwahl war frei, sodass die Dokumentation als Verschriftlichung der Projekte einen Querschnitt durch die empirische Linguistik und die Forschungsinteressen der Teilnehmenden darstellt. Die Projekte ermöglichten es den Teilnehmenden erstmalig den Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens kennen zu lernen.
Der erste Beitrag von Madita und Nathanael ist im Bereich der Phonetik und Phonologie angesiedelt und beschäftigt sich mit der Aussprache des <th> von deutschen Erstsprecher*innen. Darauf folgen Leonard und Sascha, die die Wortbedeutungen mittels Kollokationen von Krieg und Frieden im europäischen Parlament beschreiben. Einen syntaktischen Fokus setzen Gleb und Maxi, die KI-generierte Sprache mit menschlicher Sprache auf ihre syntaktische Komplexität vergleichen.
Die weiteren Beiträge beschäftigen sich mit der Pragmatik. Daria und Linnea analysieren die Unterschiede des Diskurspartikel like im Britischen und Kanadischen Englisch. Sowohl Evielina und Yaren, als auch André und Lucy beschäftigen sich mit Schimpfwörtern, wobei erstere sich auf weitere pragmatische Funktionen von Flüchen fokussieren, und letztere spezifisch auf Geschlechterunterschiede in Raplyrics achten. Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind ebenfalls das Thema von Hannah und Naya, welche Pausen und Unterbrechungen betrachten. Grete und Pavel runden das Thema der Pragmatik ab, indem sie Modalverben als Höflichkeitsformen im Britischen und Kanadischen Englisch thematisieren.
Wir hoffen, dass die Lesenden der Beiträge genauso viel Spaß mit der Doku haben werden, wie wir in unserem Kurs!