Das Cooperative Principle (CP) ist ein vom Philosophen H. P. Grice entwickeltes Prinzip, welches erklärt, wie Menschen im Alltag erfolgreich miteinander kommunizieren können. Es kann als ein „quasi-contractual matter“[1] einer Art unausgesprochenem Vertrag verstanden werden, welcher von Beginn der Konversation an besteht oder sich im Laufe dieser entwickelt. Die Gesprächspartner*innen gehen davon aus, dass alle Beteiligten grundsätzlich dazu bereit sind, zum Gelingen des Gesprächs beizutragen. Dabei müssen nicht alle Informationen direkt ausgesprochen werden, sondern sie werden von der Sprecher*in impliziert, also mitgemeint, und sollen aus dem Kontext erschlossen werden.[2]

Grice beschäftigt sich dabei mit dem Unterschied zwischen der formalen Sprache der Formalisten*innen (Logiker*innen) und der natürlichen Sprache. Die Formalist*innen wollten Sprache möglichst eindeutig und logisch gestalten. Die natürliche Sprache ist jedoch immer mehrdeutig und dadurch nicht immer vollständig logisch. Diese Mehrdeutigkeit ist aber nicht grundsätzlich ein Problem, sondern kann im Alltag hilfreich sein.

Grice nennt drei Schwächen der formalen Sprache:

  1. „Language serves many more important purposes besides those of scientific inquiry[3] Menschen sprechen auch auf irrationale Weise über irrationale Dinge und Ziele, wie Gefühle, Wünsche oder Handlungen.
  2. Die Definition von Worten ist nicht immer für alle Menschen gleich eindeutig. Menschen verbinden mit Wörtern unterschiedliche Erfahrungen und Vorstellungen. Würde man deshalb jedes verwendete Wort genau erklären, würde Kommunikation sehr lange dauern und die dafür genutzten Worte müssten ebenfalls wieder erklärt werden. Im Alltag ist dies jedoch nicht notwendig. Wenn eine Person eine andere zum Beispiel darum bittet, die Wäsche aufzuhängen, müssen die Gesprächspartner*innen normalerweise nicht erst klären, welche Wäsche gemeint ist oder wo sie liegt. Der Kontext macht die Bedeutung verständlich.[4]
  3. Die Welt ist sehr komplex und lässt sich nicht immer kategorial oder in Form von strikten Regeln darstellen oder klar und eindeutig aufteilen. Die natürliche Sprache ist „a place for an unsimplified, and so more or less unsystematic, logic of the natural counterparts of these devices“.[5] Im Alltag handeln Menschen nicht immer vollkommen rational. Trotzdem können sie Situationen richtig einschätzen und verstehen. Auch Intuition und Erfahrungen spielen eine wichtige Rolle für das Gelingen einer Konversation, denn mit einer rein faktischen Betrachtung der Aussage verliert man oft jenen Informationsgehalt, welcher „zwischen den Zeilen“ steht – sprich impliziert wurde, aus dem Blick.

  Das Ziel des Cooperative Principle (CP) ist, Kommunikation im Alltag einfacher und verständlicher zu machen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die sog. Implikatur. Mit Implikatur ist gemeint, dass eine Person etwas nicht direkt sagt, die andere Person es aber trotzdem aus dem Zusammenhang versteht. Das funktioniert, weil Gesprächspartner*innen davon ausgehen, dass die jeweils andere Person grundsätzlich kooperativ handelt. Es gibt meist „no reason to suppose that he is not observing the maxims, or at least the CP“[6]

Die vier von Grice vorgeschlagenen Maxime des CP sind Quantität, Qualität, Relevanz und Modalität des Gesagten. Laut Grice gäbe es aber noch deutlich mehr Möglichkeiten, solche Regeln festzulegen.[7]

  1. Quantität:         Mache deinen Beitrag so informativ wie nötig, aber nicht mehr, als erforderlich.       
  2. Qualität:           Sage nichts, was du für falsch hältst oder wofür dir die Beweise fehlen.
  3. Relevanz:          Sage nichts, was nicht relevant ist oder den Fokus der Konversation                                                            völlig verschiebt.
  4. Modalität:    Vermeide Unklarheit und Mehrdeutigkeit durch Ordentlichkeit und Struktur.

Diese Maximen können auf unterschiedliche Weise verletzt werden. Eine Person kann eine Maxime unauffällig verletzen, sie absichtlich und deutlich brechen, sich bewusst nicht an eine Maxime halten oder zwischen zwei Maximen stehen, die sich widersprechen.[8] Dadurch können Missverständnisse entstehen. Das passiert besonders dann, wenn Gesprächspartner*innen grundsätzlich nicht bereit sind, zu kooperieren, nicht wissen, wann und warum eine Maxime (absichtlich) verletzt wurde oder wenn ihnen wichtige Informationen über die Situation fehlen.

Die Maximen helfen aber auch dabei, Missverständnisse zu vermeiden, indem sie Orientierung für eine klare, wahrheitsgemäße, relevante und angemessen informative Kommunikation geben. Besonders die Maximen der Quantität und Modalität können verhindern, dass wichtige Informationen fehlen oder Aussagen unklar und mehrdeutig sind. Sie können Missverständnisse jedoch nicht vollständig verhindern, da Äußerungen immer auch vom Kontext abhängen und Maximen bewusst verletzt werden können. Entscheidend ist deshalb, dass die Gesprächspartner*innen grundsätzlich kooperieren und gemeinsam erschließen, was gemeint ist.


[1] Herbert Paul Grice, „Logic and Conversation“, in:  P. Cole, J. L. Morgan, Syntax and semantics 3: Speech Acts, New York 1975, S. 48.

[2] Vgl. ebd., S. 46f.

[3] Ebd., S. 42.

[4] Vgl. ebd., S. 42f.

[5] Ebd., S. 43.

[6] Ebd., S. 50.

[7] Vgl. ebd., S.47.

[8] Vgl. ebd., S.49.

2 Kommentare zu „Cooperative Principle“
  1. Guter Beitrag! 👍

    Die Herleitung über formale vs. natürliche Sprache macht direkt klar, warum es das CP überhaupt braucht – nicht nur, was es ist. Besonders der Punkt mit den Maximenverletzungen als Missverständnis-Ursache passt super zum Kursthema.

  2. Grice eröffnet uns mit seinem CP einen neunen Zugang Kommunikation und Gesprächsdynamiken besser zu verstehen. Es zeigt, dass wir uns alle intuitiv an gewisse Regeln halten und wo dies auch mal schief gehen kann. Die Maxime schaffen Bewusstsein, v.a auf Seiten des Sprechers/ der Sprecherin und bieten Handlungshinweise, um Missverständnisse zu vermeiden. Spannend finde ich vor allem, dass man das CP so gut auf seinen eigenen Alltag anwenden kann und so sein eignes Verhalten reflektiert. Danke für diese schöne Zusammenfassung!

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