Dokumentation der deutschen Schülerakademie Kurs 1.3
Einleitung
Eifersucht ist eine Emotion, die vermutlich jeder Mensch aus zwischenmenschlichen Beziehungen kennt. Eifersucht entsteht meist nicht direkt durch die eigene Person, sondern dadurch, dass eine für sie wichtige Person ihre Aufmerksamkeit einer dritten Person zuwendet.Obwohl Eifersucht als einheitliches Gefühl beschrieben wird, handelt es sich auf psychologischer Ebene um einen Kanon an unterschiedlichen kognitiven, emotionalen und verhaltensfokussierten Prozessen. Daraus ergibt sich die Frage, ob Eifersucht wirklich als eigenständige Emotion verstanden werden kann, oder ob sie eigentlich vielmehr in ihrer Funktion in der Verarbeitung und Regulation bereits bestehender negativer Affekte verstanden werden muss.
Stellen Sie sich vor, einer Ihrer jahrelangen Freunde unterhält sich auf einer Feier plötzlich mit einer anderen Person, obwohl er diese gerade erst kennengelernt hat. Trotzdem scheinen sie sich auf Anhieb exzellent zu verstehen und Sie empfinden keine Beachtung mehr zu finden. Nun macht sich bei ihnen vielleicht ein unbehagliches Gefühl breit, was sich vom Magen aus in ihrem ganzen Körper verbreitet. Der Gesprächspartner Ihres Freundes wirkt nun eventuell unsympathischer als vorher. Sie merken, wie sich der Abneigung gezielt auf diese Person richtet, obwohl sie unter Umständen je mit Ihnen in Kontakt getreten ist- Sie sind eifersüchtig.
Eifersucht fokussiert sich häufig auf Beziehungen und Bindungen auf zwischenmenschlicher Ebene. Anders als bei Neid, bei dem eher begehrte Objekte im Vordergrund eines Wunsches oder Bedürfnisses stehen, entwickelt sich Eifersucht als komplexe Emotion. Eine eingangs durch ein dyadisches Verhältnis ausgelöste Emotion- zwei Personen stehen in einer Beziehung zueinander; eine Person ist der Emotionsträger und die andere der gerichtete Bezug der Emotion- transformiert in eine Emotion innerhalb eines triadischen Konstrukts verwurzelt ist. Dabei wird oft der Verlust dieser bestimmten Bindung gefürchtet.
Eifersucht zeigt sich als stark ontogen basierter Zustand, die vermehrt aus Erfahrungen herausgeht und vorwiegend kontextabhängig ist. Somit fällt die Komponente der kognitiven Bewertung von Eifersucht stärker aus als bei anderen Emotionen.
-Kategorisierung von Eifersucht als Sekundäremotion-
Eifersucht entwickelt sich zunächst aus einer Bewertung einer Situation als negativ oder bedrohlich heraus. Damit ist sie stark anfällig für weitläufige Interpretation und eigenständige Bewertung. Mehr noch bedeutet dies, dass Eifersucht nicht durch einen bestimmten Reiz ausgelöst wird, sondern immer einer negativen Interpretation bedarf, um sich ausbilden zu können. Diese extreme Gewichtung der Ausdeutung einer sozialen Situation als Auslöser für Eifersucht, lässt sie in das Spektrum der Sekundäremotionen einordnen.
Voraussetzung für eine negative Wertung einer Situation ist aber zunächst das Verspüren einer anderen negativen Emotion wie Angst oder Unsicherheit, welche in ihrer Folge Eifersucht bedingen. Sekundäremotionen sind erlernte Emotionen, die als Reaktion auf eine primär verspürte Emotion wie ein Schutzschild fungieren und diese überlagern.
Einige Wissenschaftler wie L. Hart und Heather A. Carrington ordnen Eifersucht jedoch durchaus als Primäremotion neben Angst oder Freude ein.
In ihrer Studie untersuchten sie die Reaktionen von Kindern unter sechs Monaten auf das Umlenken der Aufmerksamkeit ihrer Mutter von ihnen auf eine Puppe, um ein Aufmerksamkeitsdefizit, das als Auslöser für Eifersucht verantwortlich ist, zu simulieren. Bei den Kindern konnte, nach ihren Aussagen, ein Verhalten observiert werden, welches als eine Vorstufe von Eifersucht auszudeuten sei.
Der Widerspruch zu ihrer eigenen Studie liegt aber in genau dieser Aussage. Da sich Babys in diesem Alter einer erst höchst primitiven linguistischen Entwicklung unterzogen haben, liegt die einzige Möglichkeit der Messung von emotionalen Zuständen in Rückschlüssen aus Mimik,Gestik oder phonologischen Expressionen der Babys. So lässt sich doch sehr stark an der Tragfähigkeit dieser Interpretation und Resultate zweifeln, denn die Forschenden hätten keine eindeutigen emotionalen Zustände erfahren können, sondern haben diese allein nach ihrem Empfinden statuiert. Somit lässt sich nicht eine eindeutige Emotion dem Verhalten der Babys zuweisen, da die äußerlich wahrnehmbaren Verhaltensmerkmale nie absolut richtig nachempfunden oder gedeutet werden können von einer außenstehenden Person.
Vor diesem Hintergrund erachte ich die Definition von Eifersucht als Primäremotion für unzulänglich.
-Übertrag auf Lisa Feldman Barrett –
Viele Leute hinterfragen nicht die konkrete Entstehung von Eifersucht. Guckt man sich das vorangeführte Beispiel jedoch noch einmal genauer an, fällt einem vielleicht auf, dass der primäre Affekt gar nicht die Eifersucht selbst ist, sondern die Angst davor war ersetzt zu werden oder Unsicherheit sich in einem sozialen Gefüge ohne Ankerpunkt zu bewegen.
Lisa Feldman Barrett beschreibt in ihrer Auffassung von Emotionsentwicklung und emotionalem Ausdruck die sogenannte Konzeptualisierung von Emotionen. An diesem Brückenpunkt wäre eine Interventionsmöglichkeit denkbar, die präventiv auf die Ausbildung von Eifersucht wirkt. Mit ihrem Modell lässt sich auch eine Regulierung von bestimmten Emotionen veranschaulichen, durch das das Gehirn versucht anhand der körperlichen und psychischen Signale die Emotion vorherzusagen und dementsprechend adäquat zu regulieren. Es prognostiziert bestimmte Emotionen unter Bezugnahme auf interne und externe Einflussfaktoren. In dem genannten Beispiel findet jedoch ein Vorhersagefehler (prediction error) statt.
Die Diskrepanz zwischen der Erwartung und der subjektiven Wahrnehmung der Situation ist so groß, dass eine erhöhte Unsicherheit induziert wird. Gleichzeitig erhöht sich dadurch die Körperaktivität. Durch den prediction error werden die Körpersignale in Folge als Bedrohung umgedeutet, die als Schutzreaktion Eifersucht hervorruft.
-Bewertung von selbstfokussierten Emotionen-
Gefühle wie Angst oder Unsicherheit könnten für eine Person schwerer zu ertragen sein, da sie zu einem verminderten Selbstwertgefühl führen. Emotionen, die auf einen persönlichen Mangel verweisen, lösen Zweifel in Bezug auf die eigene Existenz aus. Projiziert man eben diese negativen Emotionen durch einen Emotionswechsel auf eine dritte Partei, kann man die eigenen Missstände kompensieren. Die vermeintliche Ursache rückt bei der Eifersucht in den Fokus, sodass diffuse, schwer zu benennende Gefühle wie Unsicherheit leichter zielgerichtet wirken können. Der Fühlende hat somit den Eindruck handlungsfähiger zu sein als bei einer abstrakten Empfindung. Somit wird aus einem Zustand, der nur schwer kontrollierbar ist, eine handlungsorientierte Alternative kreiert, die zu einer erneuten Kontrolle über den eigenen und den Fremdzustandes führt. Verwunderlich ist nun also nicht, dass die Interpretation desselben Auslösers, „ Mein Freund unterhält sich lieber mit einer anderen Person als mit mir“, einfacher interpretiert wird als Sekundäremotion, die einen dazu befähigt besser zu agieren als in eine Emotion, die einen lähmt. Im sozialen Kontext, als auch instinktiv, lässt sich das Verhalten dementsprechend effektiver und zielorientierter bewerten, wenn Eifersucht als Schutzmechanismus fruchtet.
Fazit
Insgesamt lässt sich Eifersucht somit als kontextabhängige, komplexe Emotion einstufen, die stark kognitiv beeinflusst wird. Vor allem, wenn mehrdeutige negative Affekte in Bezug auf Situationen, Personen und Beziehungen entstehen, kann Eifersucht als Schutzmechanismus zum Tragen kommen, der eine Unsicherheit in Bezug auf sich selbst vorgreifen möchte. So wird ebenfalls eine mögliche Handlungsunfähigkeit präventiv abgewehrt. Sie übernimmt also emotionsregulatorische und kompensatorische Funktionen, indem sie diffuse Zustände konkretisiert und handlungsorientierter ausgestaltet, vielmehr, als das sie eine Emotion an und für sich darstellt.