In der Spieltheorie begegnet man häufig Begriffen, welche essenziell für das Verständnis des Themas Spieltheorie sind. Um einen ordentlichen Überblick über die einzelnen Ausdrücke zu erschaffen haben wir als Kurs ein „Begriffslexikon“ erstellt, in dem Teilnehmer*innen jeweils zugeordnete Bezeichnungen definiert haben.
Spieltheorie: „Spieltheorie ist die Analyse strategischer Entscheidungssituationen, in denen mehrere Spiele miteinander interagieren. Dabei ist das Resultat eines Spiels von den Entscheidungen der Mitspieler*innen abhängig und alle Spieler*innen sind sich dessen bewusst.“
Quelle: Spieltheorie Prof. Dr. Bernhard Nebel, Uni Freiburg
Taktik: Wenn die Strategie die kontextspezifische Verwendung verschiedener Verhaltensoptionen widerspiegelt, müssen wir eine Möglichkeit haben, die verfügbaren Optionen zu beschreiben. (vgl. Behavioral Strategizing Among Animals, Nicole M., Matthew J.(2025))
Quelle: Behavioral Strategizing Among Animals: A Systems Approach, Integrative and Comparative Biology, Oxford University Press 2025 von Nicole M Moody, Matthew J Fuxjager
Strategie: Eine Strategie beschreibt die Auswahl einer Handlung aus mehreren möglichen Optionen unter Berücksichtigung verfügbarer Informationen und relevanter Faktoren. Dabei können beispielsweise Kosten, Zeit, Bequemlichkeit, Verkehr oder eigene Erfahrungen die strategische Entscheidung beeinflussen (vgl. Moody & Fuxjager (2025)).
Quelle: Behavioral Strategizing Among Animals: A Systems Approach, Integrative and Comparative Biology, Oxford University Press 2025 von Nicole M Moody, Matthew J Fuxjager
Spiel: Ein Spiel beschreibt „eine Interaktion zwischen Spieler*innen, wobei alle Spieler*innen eine Anzahl möglicher Aktionen haben“ (o. V. (2024), S. 5). Zu den grundlegenden Merkmalen zählen außerdem der Selbstzweck, die Wiederholung und das Ritual sowie der Gegenstandsbezug (vgl. Oerter (2007), S. 8–9).
Quellen: Oerter, R. (2007). Zur Psychologie des Spiels. Von SSOAR; O.V. (2024). Spieltheorie. Aus Vorbereitungsmaterial zum Bonner Matheturnier (https://www.ru.nl/sites/default/files/2024-09/Vorbereitungsmaterial%20Bonner%20Matheturnier.pdf)
Nutzen: Nutzen beschreibt den Wert, den ein Spieler einem möglichen Ergebnis beimisst. Je höher der Nutzen eines Ergebnisses, desto stärker wird dieses von dem Spieler bevorzugt. (vgl. Kirchkamp 2024)
Quelle: https://www.kirchkamp.de/spiel/pdf/spiel_druck.pdf
Kooperation: Kooperation ist eine politische, wirtschaftliche oder soziale Strategie, bei der durch Zusammenarbeit und Austausch mit anderen der eigene mögliche Nutzen mit dem Nutzen der Kooperationspartner abgestimmt wird. (vgl. Schubert/Klein 2020, Politiklexikon)
Quelle: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17749/kooperation/
Nutzenfunktion: Die Nutzenfunktion ordnet jedem möglichen Spielausgang einen reellen Zahlenwert zu, der den Grad der Präferenz oder den Gewinn eines Spielers repräsentiert. So wird deutlich, wie stark ein*e Spieler*in das jeweilige Gesamtergebnis der gewählten Kombination aller Aktionen gegenüber anderen Alternativen bevorzugt.
Quelle: Holler, M., Illing, G. (2006). Einführung in die Spieltheorie (6. Auflage)
Nullsummenspiel: Ein Nullsummenspiel beschreibt ein Spiel, bei dem die Summe der Auszahlungen, Nutzen oder Gewinne, aller Spieler*innen für jeden möglichen Spielausgang genau null ergibt.
Quelle: Bergfeld, J., Bleckmann, G, et al., 2024, S. 7 f.
Der Gewinn eines oder mehrerer Spieler*innen ist somit genau gleich der Summe der Verluste der übrigen Spieler*innen. Ein Spiel, dass nicht auf eine jeweilige Summe von Null hinausläuft, ist ein Nicht-Nullsummenspiel.
Quelle: Bergfeld, J., Bleckmann, G, et al., 2024, S. 7 f.
Strategische Form: Die strategische Form stellt die möglichen Strategien der Spieler*innen und die daraus resultierenden Nutzen in einem simultanen Spiel dar. Sie ermöglicht den Vergleich verschiedener Strategien und die Bestimmung von Nash-Gleichgewichten, Pareto-Optima und dominanten Strategien (vgl. Holler & Illing (2006); Tadelis (2013), S. 130–131
Simultanes Spiel: Ein simultanes Spiel liegt vor, wenn die Spieler*innen ihre Entscheidungen treffen, ohne die Strategie bzw. Entscheidung des Gegenspielers zu kennen. Die Entscheidungen erfolgen dabei unabhängig voneinander, gegebenenfalls zum gleichen Zeitpunkt (vgl. Hanauske (2016); Winter (2015), S. 44).
Quellen: M. Hanauske 2016 Physik der sozio-ökonomischen Systeme mit dem Computer 1.1.1 Definition des Spiels
Stefan Winter 2015 Grundzüge der Spieltheorie Seite44 ISBN: 978-3-662-44421-4
Nicht-kooperative Spieltheorie: Sie beschreibt Spiele, in denen die Spieler*innen unabhängig und eigeninteressiert handeln, ohne bindende Verträge oder Koalitionen. Mögliche Kooperation entsteht dabei nur, wenn sie sich selbst durchsetzt (self-enforcing). Ein zentrales Lösungskonzept ist das Nash-Gleichgewicht (vgl. Nash (1951), S. 286; Dilger (2022)).
Quellen: Nash, John: Non-Cooperative Games, in: The Annals of Mathematics, Second Series, Vol. 54, No. 2 (Sept. 1951), S. 286-295.
Dilger, Alexander: Spieltheorie, in: Staatslexikon8 online, Version vom 08.06.2022, 09:10 Uhr, URL:
https://www.herder.de/staatslexikon/artikel/spieltheorie/ (abgerufen: 17.08.2026).
Informationstheorie: Information erweitert das Wissen und verringert Unsicherheit (vgl. Chen (2021), S. 2). In der Spieltheorie wird zwischen vollständiger und unvollständiger Information unterschieden. Bei letzterer verfügen Spieler*innen über private Informationen, die anderen nicht zugänglich sind, wie etwa beim Poker (vgl. Gibbons (1996), S. 7; Holler & Illing (2006), S. 79 f.).
Quellen: Xiofeng Chen, R. (2021) A Brief Introduction to Shannons Information Theory.
Holler, M. & Illing, G. (2006). Einführung in die Spieltheorie. (6. Aufl.) In Springer-Lehrbuch. https://doi.org/10.1007/3-540-29948-3; Gibbons, R. (1996) An introduction to applicable game theory.
Die aufgelisteten Definitionen sind wichtige Grundlagen zum tieferen Verständnis des Konzeptes von Entscheidungssituationen (Spielen) und Spieltheorie. Unterthemen dieser Konzepte werden in weiterfolgenden Dokumentationen aufgegriffen.