Das Missverständnis als Katastrophe und Katalysator

Ein Missverständnis kann die Welt bewegen, es kann komisch oder peinlich sein – ein großer Knall, und irgendwie dann „nur“ ein Missverständnis, nicht so schlimm.
Der Kurs beschäftigte sich damit, dass jemand denkt, er will das Gleiche wie die andern, und dann plötzlich merkt, dass etwas nicht stimmt. Dazu gehören immer Sprache (Kommunikation, man sagt was, oder irgendwie zu viel, zu wenig), Zeit (die lange Prägung und das Plötzliche), konkrete Situation und Menschen (wer wir sind und was wir sind, warum und ob uns das bewusst ist). Anhand von Momenten aus Alltag, Politik und Geschichte fragte der Kurs, warum uns etwas auffällt, während uns vieles verborgen bleibt. Das Kursgespräch beleuchtete Beispielfälle im Detail und widmete sich Fragen nach Erwartung, Prägung, Perspektiven und Verstehen.
Der Kurs 1.4 in Schwäbisch Gmünd wollte sein ganzes Interesse sechzehn Tage lang einer Gemeinschaft zuwenden, die mehr als nur der Kenntniserweiterung diente. Schon zu Beginn des ersten Aufeinandertreffens mit den anderen Teilnehmenden der Akademie haben die TN untereinander eine besondere Verbindung gespürt. Sie durften in Kleingruppen eine Frage entwickeln, auf die sich der Kurs in der kommenden Zeit fokussieren sollte. Diese vier Fragen zogen sich von da an als roter Faden durch den Kurs:
- Auf welchen Ebenen können Missverständnisse entstehen?
- Was können wir für uns schließen im Hinblick auf Missverständnisse?
- Wie kommuniziere ich vor, während und kurz nach Missverständnissen?
- Bringen uns Missverständnisse weiter?
Der Alltag der Akademie spaltete sich in knifflige Kursgespräche und kursübergreifende Aktivitäten (KüAs). Dabei genossen die TN nicht nur die akademische Herausforderung, sondern auch die humorvolle, gestalterische, erfinderische und sportliche Vielfalt der Akademie. Auf Wunsch der Teilnehmenden wurden zudem im Kurs Rollenspiele geführt, die Missverständnisse auf praktischer Ebene veranschaulichen und mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten erkunden sollten. Neben dem praktischen Teil wollten die TN auch erfahren, wie Missverständnisse aus verschiedenen Perspektiven interpretiert, analysiert und gedeutet werden können.
Auf der theoretischen Grundlage von bahnbrechenden Texten aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen (Philosophie, Hermeneutik, Anthropologie, Phänomenologie, Linguistik, Soziologie etc.) und Epochen wurde im Kurs versucht, diese komplexen Erklärungsmodelle zu verstehen und auf diese Kursfragen anzuwenden. Dadurch ergaben sich erhellende Diskussionen, bei denen wir eigene Erfahrungen einbringen konnten und viele neue Perspektiven kennengelernt haben.