Als Abteilungsleiter in den Bereichen Elektrolyse und Wasserstoffinfrastruktur am Fraunhofer ISE beschäftigt sich Tom Smolinka mit den verschiedensten Elektrolysearten der Wasserstofferzeugung. In einer halben Stunde beantwortete er geduldig und detailliert die Fragen zu seinem Forschungsgebiet und bot dem Interviewteam einen wertvollen Einblick in die Entwicklung der Wasserstoffherstellung.
Aus historischen Gründen forscht das Fraunhofer ISE in erster Linie zur PEM-Elektrolyse: Eine feste, protonendurchlässige Membran trennt die Anode von der Kathode. Vorteile der im sauren Milieu stattfindenden Elektrolyse der Elemente von Wasser sind ihre kompakte und robuste Bauform sowie die hohe Leistungsdichte. Aufgrund der hohen Kosten konnte sie sich aber noch nicht nachhaltig auf dem Markt etablieren. Auch die AEM-Elektrolyse befindet sich unter Smolinkas Leitung in den Startlöchern der Forschung: Sie weist ähnliche Eigenschaften auf wie die PEM-Elektrolyse und benutzt günstigere, weniger korrosive Materialien in einem basischen Milieu, um Wasserstoff und Sauerstoff zu gewinnen.
Um den Wasserstofftransport in größerem Maßstab zu stemmen, sei ein breiter Ausbau der Infrastruktur notwendig. Hierbei spielt es laut Smolinka vor allem eine essenzielle Rolle, wie der Energieträger in der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft wahrgenommen wird. Es bestehe auf nationaler und auf europäischer Ebene die gesellschaftliche Einigkeit, dass Wasserstoff für die Energiewende notwendig wäre. Allerdings sei auch klar, dass noch viel Entwicklung stattfinden wird. Mangelnde Planungssicherheit für Unternehmen führe ihm zufolge zu einem bisher verhaltenen Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur. Nichtsdestotrotz ist er davon überzeugt, dass langfristig kein Weg an Wasserstoff als grünen, stofflichen und wirtschaftlichen Energieträger vorbeiführen wird – auch wenn es nicht als einzige Technologie auf dem Markt existieren werde. Da Unternehmen bis dato zurückhaltend investieren, wird die Forschung zu bis zu 50 % von der Politik subventioniert.
Zu Ende des Interviews fokussierte sich das Gespräch noch auf das OffsH2ore-Projekt des Fraunhofer ISE, welches 2022 unter der Leitung von Herrn Smolinka durchgeführt wurde. Die Grundidee sei es, mithilfe des durch Offshore-Windrädern erzeugten Stroms direkt auf dem Meer Wasserstoff zu erzeugen. Hier soll die PEM-Elektrolyse eine Rolle spielen. Das Problem seien allerdings die sehr hohen Wartungskosten einer Reparatur einer Anlage auf dem Wasser und der hohe eigene Investitionsaufwand im Generellen bei Wasserstoffprojekten, der trotz staatlicher Zuschüsse weiter für Unternehmen besteht. Auch wenn die Umsetzung schon theoretisch möglich ist, ist die Forschung zur Kostenminimierung von Wasserstoff aus Offshore-Projekten noch nicht abgeschlossen.
Tom Smolinka bot dem Interviewteam des Kurses 1.2 einen sehr interessanten und zukunftsorientierten Blick in seine Forschung sowie Projekte. Vielen Dank!