Kurs 1.6: Kill your darlings! – Aka Journal ../../../index.html Deutsche SchülerAkademie Schwäbisch Gmünd 2026-1 Fri, 04 Sep 2026 13:28:49 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://doku1.schuelerakademien.de/wp-content/uploads/2026/07/favicon-150x150.png Kurs 1.6: Kill your darlings! – Aka Journal ../../../index.html 32 32 ../../../kurs-6/6124/index.html ../../../kurs-6/6124/index.html Fri, 28 Aug 2026 13:49:12 +0000 ../../../index.html ]]> ../../../kurs-6/6124/feed/index.html 0 Fazit zum Kurs ../../../kurs-6/fazit-zum-kurs/index.html ../../../kurs-6/fazit-zum-kurs/index.html Fri, 28 Aug 2026 10:38:07 +0000 ../../../index.html Luna König

Einen Schritt zurück machen. Sich Überblick verschaffen. Abstrahieren und verbinden. Das Denken über das Denken war essentiell für die Arbeit und das Miteinander im Kurs, zwei Dinge, die selbst untrennbar miteinander verbunden sind. 

Angefangen mit den kognitiven und visuellen Täuschungen, hin zur Psychologie als Wissenschaft und der Wissenschaftstheorie, die wiederum auf Handlungstheorie aufbaut, mithilfe derer man über die Probleme des Determinismus, den Sinn des Lebens und der Beschaffenheit von Bewusstsein sprechen kann. Das Bewusstsein über die Art und Weise, wie wir miteinander diskutieren, sowohl theoretisch als auch praktisch, hat dazu geführt, dass Erkenntnisse hauptsächlich im Gespräch entstanden, sodass sie nachhaltig und konsensfähig waren. Methodische und fachliche Erkenntnisse fallen zusammen.

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Grenzen der Psychologie ../../../kurs-6/grenzen-der-psychologie/index.html ../../../kurs-6/grenzen-der-psychologie/index.html Thu, 27 Aug 2026 09:33:14 +0000 ../../../index.html Luna König & Mathis Krämer

Das Leib-Seele-Problem, im modernen Diskurs meist als Mind-Brain-Problem bezeichnet, ist kein Problem im alltäglichen Sinne einer schwer lösbaren Aufgabe, sondern ein begriffliches. Es entspringt der ontologischen Unterbestimmtheit empirischer Daten, die ihre eigene Deutung nicht mitliefern, und ist deshalb durch empirische Forschung grundsätzlich nicht aufzulösen. Zuspitzung erfährt es in einem Trilemma dreier je für sich plausibler Thesen: der Dualismusthese (mentale Phänomene sind nicht-physische Phänomene), der Wechselwirkungsthese (mentale Phänomene sind im Physischen kausal wirksam) und dem Prinzip des methodologischen Physikalismus (der Bereich physischer Phänomene ist kausal geschlossen).

Da nicht alle drei zugleich haltbar sind, bestimmt sich jede Position darüber, welche These sie verneint. Der interaktionistische Dualismus streicht die kausale Geschlossenheit, leidet aber am ungelösten modus operandi: Wo und wodurch soll eine immaterielle Einwirkung stattfinden? Der Physikalismus differenziert sich über die Supervenienz aus, also die Abhängigkeit des Mentalen vom Physischen – keine mentale Veränderung ohne physische. Der nichtreduktive Physikalismus nimmt dabei eine letztlich inkohärente Zwischenstellung ein, der reduktive scheitert an der Erklärungslücke zwischen neuronalen und phänomenalen Zuständen. Der Eliminativismus schließlich streicht die mentalen Entitäten selbst, was ein utopisches Programm bleibt und der Subjekterfahrung widerspricht. Als Ausweg bot sich ein Perspektiven- statt Substanzendualismus an, in Anlehnung an den Hylemorphismus, nach dem Gegenstände aus Materie und Form bestehen und die Form bei Lebewesen Seele heißt: Materie und Form sind nicht zwei Arten von Dingen, sondern zwei Betrachtungsweisen desselben.

Der Dualismus räumt ein, dass die Naturwissenschaften nicht alle Regungen des Menschen erklären können. Es bleibt ein Handlungsspielraum, der dem freien Willen unterliegt. Der Scientismus fordert nicht nur, dass sich menschliche Handlungen alleine durch physikalische Gesetzmäßigkeiten erklären lassen, sondern auch, dass dazu heutzutage bekannte Theorie ausreicht. Der Grund für menschliches Handeln wird nicht in der Kultur der Menschen gesucht, sondern den naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, besonders der Evolution. Für diese Denkrichtung soll im folgenden am Beispiel des Textes (Geoffrey, 2000) erläutert werden. Daran anschließend werden anhand eines weiteren Beispiels die Grenzen der modernen Psychologie erläutert werden. 

Scientismus

Der Sinn für Ästhetik sei ein Werkzeug zur sexuellen Partnerwahl. Die Fertigkeit, einen ästhetischen Gegenstand, das heißt Schmuck, herzustellen sei ein Indikator für die Überlebensfähigkeit des Künstlers. Das ließe sich untermauern mit der Beobachtung, dass die Kriterien für die Schönheit eines Gegenstandes mit denen für eine Aufwändige Herstellung zusammenfallen würden (Geoffrey, 2000, 318). Das ließe sich untermauern mit der Beobachtung, dass die Herstellung eines schönen Gegenstandes im Vergleich mit einem rein nützlichen Gegenstand Eigenschaften des Künstlers fordert, welche auch die Überlebensfähigkeit steigern. Genannte Beispiele sind Intelligenz, Kreativität, Energie und Ausdauer (Geoffry, 2000, 319). Bei diesen Folgerungen fällt auf, dass Kultur als formende Kraft für ästhetisches Bewusstsein nicht in Frage kommt. Die ästhetischen Vorlieben aller Menschen werden zurückgeführt auf Prozesse in der Evolution, deren einzige materielle Realisation heute in der Genetik liegt, also werden die ästhetischen Vorlieben eines Menschen auf seine Genetik zurückgeführt. 

Neben dem Sinn für ästhetik habe auch die eloquente Sprache nur den Zweck, zur sexuellen Partnerwahl Angepasstheit zu signalisieren. So würden Jungen im Alter der frühen Jugend noch keine Eloquenz besitzen. Es würde eine einfachere, nur zur Informationsvermittlung nützende und dafür genügende Sprache verwendet werden, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem Jungen anfangen, ihre sexuelle Attraktivität zu steigern indem sie Angepasstheit signalisieren. Parallel zum Fall der ästhetischen Objekte seien die Eigenschaften, die ein Redner bräuchte, um eine hohe Sprachqualität hervorzubringen, die selben seien, die auch vererbbar sind und die Überlebenschancen der Nachfahren steigern (Geoffrey, 2000, 396). 

Der Versuch, menschliche Handlungen wie die Rede oder die Partnerwahl auf die evolutionär bedingte Genetik zurückzuführen macht aus diesen Handlungen ein Verhalten. Der Scientismus im speziellen und der Naturalismus, der fordert, dass es Natürliches gibt, das in der heutigen Welt erkennbar ist, weil es im Gegensatz zu kulturellen Phänomenen, die letztendlich nur unmittelbare Ausdrücke der natürlichen Bedingung des Menschen, bestandsfähig ist, kann altruistische Regungen nicht erklären. Homosexualität lässt sich ebensowenig erklären wie die andauernde Entwicklung der Kultur. Speziell Frauen werden reduziert auf die Partnerwahl, wobei die ihnen zugesprochene Rolle das Auswählen des eloquentesten und angepasstesten Mann nicht übersteigt. Sind laut Scientismus die Regungen eines Menschen alleine durch seine Genetik bestimmt, so ist er ein Determinismus. Daher unterliegt er dem Problem des performativen Selbstwiederspruchs. Wie früher angemerkt handelt es sich dabei um den Sachverhalt, dass mit der Fähigkeit zu handeln die Fähigkeit zu behaupten wegfällt. Wer also den Scientismus behauptet, der behauptet gleichzeitig, er könne nicht behaupten.

Neuromythen

Ebenso aufschlussreich ist die Demontage populärer Neuromythen, vom Gehirnjogging bis zum Mozart-Effekt. Als Prüfstein diente der Fall Phineas Gage (1848): Entgegen der These, ein Trauma des präfrontalen Cortex zerstöre zwangsläufig den Charakter, arbeitete Gage später jahrelang zuverlässig als Kutscher, und ein spanischer Parallelfall verlief dank familiärer Auffangstrukturen unauffällig. Solche Mythen entstehen durch systemische Anreize: Pressestellen und Fördermittelgeber belohnen Zuspitzung, die Presse ist laut, die Fachwelt leise (Brain Overclaim Syndrome). Wenn Neurowissenschaftler wie Gerhard Roth oder Wolf Singer aus neuronalen Daten globale Schlüsse ziehen, verlassen sie ihr Fachgebiet: Über Reiz und Reaktion lässt sich viel sagen, über Deutung und Verantwortung wenig.Zukünftig brisant wird das beim Frühscreening, das Menschen wegen einer Prognose die Autonomie entzieht – Phrenologie mit modernen Mitteln.

Wie störanfällig bereits das eigene Urteil ist, zeigen die Konformitätsexperimente von Solomon Asch (1951): Sobald eine eingeweihte Mehrheit geschlossen falsch urteilt, geben 37 Prozent der Einzelurteile nach, und 76 Prozent der Versuchspersonen schließen sich mindestens einmal an. Anreize für Richtigkeit senken die Nachgiebigkeit auf 25 Prozent, ein einziger Verbündeter erleichtert den Widerspruch drastisch. Es wirken der normative (Wunsch nach Zugehörigkeit) und der informationale soziale Einfluss (Annahme, die Gruppe sehe genauer). Unvernünftig ist dieses Nachgeben nicht, da wir Mitmenschen erfahrungsgemäß Urteilsvermögen unterstellen.

Das Asch-Experiment führt uns somit eindrücklich vor Augen, dass unsere Wahrnehmung keineswegs autonom agiert, sondern maßgeblich durch soziale Dynamiken und das Vertrauen in das Gruppenurteil geformt wird.

Allgemein:

Der eigentliche Darling – die Vorstellung, die Neurowissenschaft könne menschliches Verhalten vollumfänglich erklären – ist damit entzaubert. Womöglich war er es schon vorher.

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Attribution und Willensfreiheit ../../../kurs-6/attribution-und-willensfreiheit/index.html ../../../kurs-6/attribution-und-willensfreiheit/index.html Tue, 25 Aug 2026 10:36:04 +0000 ../../../index.html Malte Dierkes, Oliver Saeftel

M. D. Präsentation zum fundamentalen Attributionsfehler:
Der „fundamentale Attributionsfehler“ nach Lee Ross beschreibt das Konzept einer unbegründeten, vorgeschobenen Zuschreibung von Persönlichkeitsmerkmalen (Attributen) und wurde auf der Grundlage einer Studie, in welcher die Managerial Attributions, also jene Zuschreibungen, welche Führungskräfte in Fällen des Misserfolges an Unterstellten richten, dargestellt werden, weiter erläutert. Besonderes Augenmerk ist hierbei auf den Unterschied zwischen Probanden westlicher Länder (EU, USA, etc.) und östlicher Länder (Indien, Südostasien, etc.) zu legen. Die Erhebung legte nahe, dass westliche Vorgesetzte in ihren Fehleranalysen deutlich mehr auf die Strukturen und Prozesse eines Unternehmens achten, während jene östlicher Länder auf Menschen und ihr Umfeld fokussiert schienen; entsprechend wurde der Attributionsfehler in Form der Verbindung des Misserfolges mit erfundenen Eigenschaften der Unterstellten von westlichen Führungskräften kam deutlich öfter vor. Hierdurch wurde gleichzeitig auch das Konzept einer defensiven Nutzungsweise, hier die Verteidigung eigens gebauter Unternehmensstrukturen und -prozesse, etabliert. (vgl. Küchlin, o.J., 2)
Ein weiterer zentraler Teil der Theorie nach Ross ist die sogenannte Attributionsanalyse. Diese folgt einem bestimmten Schema, nach welchem folgende vier Merkmale zu untersuchen sind:

  • Lack of Awareness of Situational Constraints: Der Urteilende kennt weder die Situation noch ihre Beschränkung für Akteure in ausreichendem Maße, um ein Urteil zu fällen, welches den Attributionsfehler nicht beginge.
  • Unrealistic Expectations for Behaviour: Die Erwartungen, die von den Urteilenden a den Akteur gestellt werden, entsprechen nicht den Umständen der Situation, in welcher sich eben dieser befindet. 
  • Inflated Categorizations of Behaviour: Wenn ein Urteilender große Mengen an Wissen über eine Situation besitzt, so wird er das Verhalten der Akteure in übertriebenem Maße in Kategorien einordnen und zu strukturieren, wodurch wiederum Zuschreibungen zustande kommen.
  • Incomplete Corrections of Dispositional Inferences: Wenn, nachdem ein Urteilender Zuschreibungen aufstellte, weitere Informationen gegeben wurden, haben sie dennoch keine vollständige Korrektur eben dieser ursprünglichen Annahmen vollzogen.

Ferner stellt das Discounting-Prinzip die Forderung dar, dass der Urteilende Faktoren nicht unpassend hoch gewichten sollte, da er sich ggf. den situative Umständen und derer Potenz nicht bewußt ist. Im Allgemeinen sollten Urteilende stets das Verhalten des Akteurs heranziehen, äußere Einflüsse von ihm abziehen (discounting) und somit allein die internen Einflussfaktoren übrig lassen, ehe er Annahmen über Attribute des Agierenden treffen kann. (Vgl. Gilbert & Malone, 1995, 25–30.)

Zur Bewertung der Theorie ist die Relativierung einzubringen, dass die negativen Folgen der Attribution sich im Alltag meist auf Marginalitäten beschränken. Insbesondere die Tatsache, dass der Mensch somit Andere grob einschätzen und schnell agieren kann, ohne jedesmal eine komplexe Analyse aufzustellen, stellt die positiven Aspekte der Attribution dar. (Vgl. Gilbert & Malone, 1995, 34.)

O. S. Willensfreiheit:
Michael Pauens „Minimalkonzeption der Willensfreiheit“ (vgl. Pauen, 2004, 80–112) behandelt die Frage nach den möglichen Freiheitsgraden des menschlichen Denken und Handelns. Dabei spiele die Selbstbestimmung eine entscheidene Rolle. 

Um grundlegende Gedanken der Willensfreiheit darzustellen, werden zunächst zwei Ebenen der Freiheit definiert. Es gibt die „Handlungsfreiheit“ und die „Willensfreiheit.“
Die Handlungsfreiheit behandelt die formale Freiheit, also wie frei Menschen innerhalb von Gesetzen und sozialen Normen sind und welche Mittel ihm zur Verfügung stehen. Die Willensfreiheit betrifft Situationen, in denen ich unter gleichen Bedingungen auch hätte anders entscheiden können. Pauen unterscheidet in situativem Handeln zwischen „Zwang“ und „Zufall.“ Zwangsgesteuert seien Personen nicht, wenn sie wirklich physisch gesteuert werden, sondern wenn man unter stark beeinflussenden Bedingungen handle, etwa in der Situation einer Geiselnahme. Und man handle „zufallsgesteuert,“ wenn man von äußeren unkontrollierbaren Einflüssen gelenkt werde, die unbewusst das Denken manipulieren.

Außerdem gibt es verschiedene Ansichten zur Thematik des freien Willens. Hier sind der Determinismus, der Kompatibilismus und der Inkompatibilismus zu unterscheiden:
Determinismus ist eine Auffassung der Welt, nach der jedes Ereignis durch vorherige Ursachen und Bedingungen bestimmt ist. Auch unsere Entscheidungen wären demnach durch Erziehung, Erfahrung, Gene und die aktuelle Situation beeinflusst. Wenn man sich z.B. entscheide, für eine Klausur zu lernen, ist diese Entscheidung nicht völlig unabhängig entstanden, sondern wurde durch seine bisherigen Erfahrungen und Motive beeinflusst. 
Der reine freie Wille, nach Handlungs- und Willensfreiheit, geht dagegen davon aus, dass ein Mensch eine Entscheidung wirklich selbstständig treffen kann und unter denselben Bedingungen auch anders hätte entscheiden können. Beispielsweise hätte ich mich auch trotz aller bisherigen Einflüsse entscheiden können, nicht zu lernen. 
Der Kompatibilismus versucht, Determinismus und freien Willen miteinander zu verbinden. Dieser Auffassung nach ist eine Entscheidung auch dann frei, wenn sie Usachen hat — solange man beispielsweise nicht gezwungen werde und nach seinen eigenen Wünschen und Überzeugungen handle. Man ist also frei, wenn man aus eigenem Willen lerne, auch wenn dieser Wille selbst Ursachen hat. 
Dem Impossibilismus zufolge gibt es einen solchen reinen bzw. letztlich unabhängigen freien Willen gar nicht. Wenn eine Entscheidung vollständig durch vorherige Usachen bestimmt ist, hätte man nicht wirklich anders handeln können. Ist sie dagegen völlig unabhängig von Ursachen, wäre sie möglicherweise bloß zufällig. In beiden Fällen fehlt dem Menschen nach dieser Auffassung ein „wirklicher“ freier Wille. 

Das Konzept der Autonomie eines Menschen beschreibt sein selbstbestimmtes Handeln. Er selbst handelt also nach seinen eigenen Wünschen, Überzeugungen und Zielen und wird nicht von äußeren Einflüssen oder einem Zwang bestimmt. Man lernt beispielsweise für eine Klausur, weil man selbst eine gute Note erreichen möchte. 
Das Konzept der Urheberschaft beinhaltet, dass die Person selbst die Ursache bzw. der Urheber ihres Handelns ist. Eine Handlung geht also auf die Person und ihre eigenen Gründe, Wünsche und Entscheidungen zurück. Man selbst ist also der Urheber für sein freiwilliges Lernen für die Klausur. 

Pauen plädiert dafür, dass Freiheit die Selbstbestimmung ist. Diese resultiert aus den zutreffenden Autonomie- und Urheberprinzipien.
Die Selbstbestimmung bedeute aber auch das Unterlassen bestimmten Verhaltens. Doch offenbar kann unsere Wahrnehmung und Entscheidungsfindung auch beeinflusst bzw. manipuliert werden. Wie sehr uns Empfehlungen anderer, Nudging („(leicht) anstoßen“) als subtile Technik oder die stärkere Manipulation bringen, beeinflusst die Frage nach der Willensfreiheit und unserer Entscheidungsfindung. Wie frei sind Menschen in ihrem Handeln unter manipulativen Bedingungen? 
Handlungsfreiheit ist also die Selbstbetimmung unseres Handelns und resultiert aus dem Autonomie- und dem Urheberschaftsprinzip. 

Das bildet die Grundlage für die Frage nach Anschlussthemen. Themen wie die Einschränkung durch soziale Normen (etwa staatliche Gesetze), welchen Einfluss die taktische Platzierung und Gestaltung von Werbung oder dem Aufbau von Sortimenten im Supermarkt haben. Wie frei sind verschieden intelligente oder verschieden sozio-ökonomisch benach- oder bevorteiligte Menschen im Sinne der Handlungs- und Willensfreiheit?
Am Ende bleibt dennoch die Frage nach der Existenz und der Beweisbarkeit sowohl des Determinismus, als auch des reinen freien Willens und welche Rolle diese überhaupt für unseren Alltag spielen. 

M. D. Fortführung des Rahmenthemas:
Im Sinne der weiteren Veranschaulichung einer womöglich eingeschränkten Handlungs- und Willensfreiheit werfen Phänomene wie die Suggestion und Hypnose erneut die Frage nach der Existenz fremdbestimmten Handelns wieder neu auf.
Im Anschluss wurde sowohl das Milgram-Experiment als auch das Stanford-Prison-Experiment angeführt. Grundlegender Ansatz des Letzteren war es, Probanden für mehrere Tage in Wächter, welche Verhaltensregeln durchsetzten sollten, und Gefangene aufzuteilen. Es gewann Bekanntheit dadurch, dass Probanden, welche die Rolle von Wächtern einnahmen, ihre Handlungen (bspw. die körperliche Misshandlung anderer Teilnehmer) damit begründeten, dass es schließlich eine höhere Instanz (die Forschungsleitung) gäbe und sie Vorgaben lediglich innerhalb des gesetzten Rahmen ausgestalten würden. Beim Milgram-Experiment verhielt es sich ähnlich; auch hier wurde auf den externen Einfluss eines Versuchsleiters verwiesen, um die eigenen Taten nachträglich zu begründen. Die Probanden, welche einem weiteren Probanden (einem Schauspieler, der die Stromschläge simulierte) etwas beibringen und ihn entsprechend (in der Form von Stromschlägen) bestrafen sollten, wenn er Fehler begeht. Der Versuchsleiter erhielt die Aufgabe, den lehrenden Probanden zu zunehmend stärkeren Stromschlägen zu animieren; dieser Aufforderung kamen die Probanden nach, selbst wenn die Stromschläge ein lebensgefährliches Niveau erreichten.

Insgesamt kumulieren sämtliche Fragen nach der Willensfreiheit in einem Trilemma:

  1. Einige menschliche Handlungen sind frei.
  2. Alle menschlichen Handlungen sind letztlich determiniert durch dem Handelnden externe und nicht kontrollierbare Ereignisse.
  3. Es ist nicht möglich, dass eine freie menschliche Handlung determiniert ist durch dem Handelnden externe und nicht kontrollierbare Ereignisse.

Verknüpfend mit den obigen Termini ergibt sich folgendes Schema:

  • 1 & 2 ergeben den Kompatibilismus.
  • 2 & 3 ergeben den Determinismus.
  • 1 & 3 ergeben den Inkompatibilismus.

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Der Mythos des Sisyphos ../../../kurs-6/der-mythos-des-sysiphos/index.html ../../../kurs-6/der-mythos-des-sysiphos/index.html Mon, 24 Aug 2026 09:30:54 +0000 ../../../index.html Mathilda Böse & Selina Fischerkeller


Die Rotation bot uns die Chance, verschiedene Einblicke in die anderen Kurse unserer Akademie zu erlangen. Zudem gab sie uns die Möglichkeit, unsere eigenen Themen noch einmal so vertieft zu reflektieren, dass wir sie anderen verständlich referieren konnten. 

Mit dem Ziel, noch einmal einen neuen Zugang zum Kursthemen-Komplex zu erlangen, beschäftigten wir uns mit Albert Camus‘ Philosophie des Absurden. Vor dem Hintergrund der geopolitischen, wirtschaftlichen und auch wissenschaftlichen Entwicklung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, welche von einer beschleunigten Industrialisierung und letzteres auch von zwei Weltkriegen geprägt wurden, erlebten so etliche Denker*innen eine Sinnkrise. Diese Erfahrung machte auch Camus. In seinem Essay „Der Mythos des Sisyphos“ (Camus 2025) legt er dar, dass das Leben ihm als absurd gilt, da der Mensch als rationales Wesen in einer irrationalen Welt lebe. Demzufolge könne das Leben keinen immanenten Sinn haben. Menschen würden jedoch ungern ihre eigene Existenz als unbedeutend ansehen.

Aus dieser Situation sieht Camus drei mögliche Auswege. Die erste Opton sei der physische Selbstmord. Die zweite Option sei der philosophische Selbstmord: Damit meint er, dass man sich selbst belügt und im irrationalen Glaube an Gott dem Leben einen nicht-existenten Sinn zuschreibt. Beide dieser Ausgänge haben gemeinsam, dass sie die gegebene Absurdität bloß verleugnen. Die letzte, von Camus bevorzugte Möglichkeit hingegen besteht aus mehreren Schritten: Erst die Erkenntnis, dann die Annahme der Absurdität. Ein Mensch, der die Absurdität seines Daseins angenommen hat, kann schließlich den Schritt in die Revolte gehen, indem er seine absolute Freiheit verteidigt und sich in ihr behauptet. Hier sieht Camus Sisyphos: Ihm wurde von den Göttern als Strafe die sinnlose Arbeit auferlegt, immerzu einen Stein einen Berg hochzurollen, nur damit dieser, oben angekommen, immer wieder hinunter rollt und Sisyphos die kraftverzehrende Arbeit erneut beginnen muss. Sein Triumph liegt, so Camus, in dem Bewusstsein über seine absurde Situation. Da seine komplette Existenz ohnehin sinnlos sei, habe er die Kontrolle über sein Schicksal, denn er ist die handelnde Person in diesem Szenario.

Camus vergleicht Sisyphos Leben mit dem eines Arbeiters. Ein Leben, zu dem er persönlichen Bezug hatte, da er aus einer Arbeiterfamilie stammte und zeitweise in der kommunistischen Bewegung aktiv war. Der Arbeiter verbringe lange Stunden mit  sinnloser Arbeit. Ein absolutes Ziel auf das er sich freuen kann, wird ihm nur vorgegaukelt.

Sisyphos wurde von den Göttern verlassen. Seine Vorgeschichte ist irrelevant für das Weltbild, das Camus vermitteln möchte. Innerhalb des radikalen Materialismus, den er vertritt, gibt es nämlich keine übergeordneten Instanzen, jedoch kann auch er nicht sagen, wie die Welt entstanden ist. 

Nach Camus Ansicht hat das Leben selbst keinen Sinn und auch wir Menschen können ihm nicht bloß willkürlich einen zuschreiben. Diese Weltanschauung klingt zwar zunächst deprimierend, aber uns die eigene Irrelevanz vor Augen zu führen, ist nur ein Teil der Gleichung. Der Theorie zufolge kann man genauso wenig auf seinem Lebensweg versagen, da das menschliche Leben keinen Zweck erfüllen muss, der Mythos des Sisyphos zeigt also auch die absolute Freiheit, die uns ein Dasein ohne übergeordneten Sinn ermöglicht und aufzwingt.

Anknüpfend an die Frage über den Sinn des Lebens eruierten wir, warum wir überhaupt nach diesem suchen. Hierfür gibt es mehrere mögliche Beweggründe, zum Beispiel das Verlangen nach einem angestammten Platz in der Welt oder nach Relevanz zu streben. Im Vordergrund bei Camus steht außerdem das Individuum, das die Kontrolle über sein Schicksal hat. Dies erinnert an Bestandteile des Konstruktivismus. Hier ist es ebenfalls das Individuum, welches seine Wirklichkeit gestaltet, wobei dies oft unbewusst geschieht, was an Camus‘ Idee grenzt, wonach jeder seines Schicksals Schmied wäre.

Schließlich kann man Janichs Handlungstheorie auch auf Camus beziehen. Nach Janich ist nämlich der Zweck oder Sinn jener Sachverhalt, den Menschen mit Handlungen anstreben. Sachverhalten oder Dingen, die nicht vom Menschen handelnd hervorgebracht wurden, können demnach keinen ihnen immanenten Zweck haben.

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Das Konstruieren einer Wirklichkeit ../../../kurs-6/das-konstruieren-einer-wirklichkeit/index.html ../../../kurs-6/das-konstruieren-einer-wirklichkeit/index.html Fri, 21 Aug 2026 09:31:23 +0000 ../../../index.html Wie entsteht das, was wir als Welt erleben? Heinz von Foerster legt dar, dass aus konstruktivistischer Sicht die Wirklichkeit nicht passiv abgebildet, sondern aktiv durch den Erkennenden hervorgebracht wird (vgl. Von Foerster, 1983). „Wechselworte“ war ein Versuch, bei dem Probandinnen und Probanden in ständiger Wiederholung das Wort „cogitate“ vorgespielt wurde. Nach vergangener Zeit nahmen sie andere Wörter wahr, die gar nicht mehr dem eigentlichen Wort entsprachen. Übertragen können wir uns also selbst bei einer einfachen Tätigkeit, wie dem Erkennen desselben Wortes, nicht auf unsere Wahrnehmung verlassen.

Ein weiterer Aspekt dabei ist die sensorische Substitution. Beeinträchtigte bzw. defekte Sinneszellen können mittlerweile durch artifizielle ersetzt werden, bspw. bei Chochlea-Implantaten. Reize werden dabei über einen elektrischen Impuls übermittelt. Nach einiger Zeit lernen damit ausgestattete Personen völlig unbewusst, die neuen Reize zu verarbeiten: Trotz geschädigtem Gehör nehmen sie allmählich wieder Töne und Geräusche wahr. 

Um eine Wirklichkeit konstruieren zu können, arbeitet unser Gehirn rekursiv, indem alle Wahrnehmungen auf den Schlüssen von vorherigen basieren. Außerdem errechnen wir uns oft die Wirklichkeit, indem wir versuchen, Regeln zu erkennen, die wir dann zu einem Konzept der Wirklichkeit „zusammenbasteln“. Dadurch errechnen wir uns eine Beschreibung der Wirklichkeit, statt der Wirklichkeit selbst. Die Funktionsweise unserer Nervenzellen und Synapsen selbst belegt, dass jede Reizübermittlung einen leichten Einfluss auf die folgende hat. Dieses theoretische Wissen haben wir anschließend in einem Praxisbeispiel überprüft. So versuchten wir selbst in einem Rästel, Regeln in Bildern zu erkennen, um auf die nächsten Bilder schließen zu können. Darüber hinaus wurde auch noch die Komplexität der menschlichen Wahrnehmung thematisiert. Wenn man Hör- und Seheindrücke vergleicht, merkt man schnell, dass unsere Eindrücke ohne eine Abstraktion nicht zusammengeführt werden. Dabei betrachteten wir neuronale Prozesse als ein selbstregelndes System, was statt einer objektiven Feststellung die Bedeutungszuschreibung zum Ziel hat.

Fazit war, dass wir unsere Realität aus unserer Wirklichkeit konstruieren. Nur das eigene Bewusstsein ist gewiss, über alles andere können wir uns nicht sicher sein. Der Solipsismus (solus=allein, ipse=selbst) beschreibt diese Vorstellung auf die Spitze getrieben. Obwohl dies auf den ersten Blick wie eine plausible Schlussfolgerung auf den Konstruktivismus wirkt, konnten wir uns im Kurs jedoch nicht überzeugen, dass es außer unserer konstruierten Wirklichkeit keine Realität gibt.

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Gesund in kranker Umgebung ../../../kurs-6/gesund-in-kranker-umgebung/index.html ../../../kurs-6/gesund-in-kranker-umgebung/index.html Fri, 21 Aug 2026 09:29:49 +0000 ../../../index.html Was bedeutet es, psychisch krank zu sein? Diese Frage versucht die Studie “Gesund in kranker Umgebung” von David Rosenhan zu psychiatrischen Diagnosen zu beantworten (vgl. Rosenhan, 1983). “Psychische Störung” bezeichnet ein Muster der Ausprägung der Psyche, die Leidensdruck verursacht und eine beschränkte Alltagsbewältigung mit sich bringt. 

Für die Studie haben sich psychisch gesunde Menschen in psychiatrischen Einrichtungen mit den vorgespielten Symptomen – Stimmen zu hören-, vorgestellt und einweisen lassen. In der Anstalt selbst sollten sie die Psychiater jedoch nicht weiter täuschen, sondern rückmelden, dass die Symptome aufgehört haben. Trotzdem kamen die Psychiater bei der Mehrzahl der Scheinpatienten zu dem Schluss, dass sie psychisch krank waren, ließen sie von 7 bis 50 Tagen in der Klinik und diagnostizierten einige mit schweren Krankheiten wie Schizophrenie und Depression. Für Rosenhan galt dies als objektive Grundlage dafür, dass es für klinische Psychologie und die Kategorisierung in psychisch krank und gesund keine objektive, rationale Grundlage gibt. Darüber hinaus bezeichnete er die Maßnahmen in psychiatrischen Kliniken als persönlichkeitszerstörend.

Seine Schlussfolgerung war, dass die Situation das Verhalten und dessen Interpretation stark beeinflusst und deshalb Verhalten, das außerhalb psychiatrischer Anstalten als unauffällig gelten würde, innerhalb ebendieser Anstalten mitunter als krankhaft interpretiert wird bzw. sogar als Beleg der psychischen Störung angesehen würde. Darüber hinaus würden sich die Meinungen und Beobachtungen der Pflegekräfte und Psychiater sehr stark an bisherigen Diagnosen stützen und somit sei die einmal getroffene Diagnose einer psychischen Störung in der Folge schwer widerrufbar.

Zwischenzeitlich ist die Validität von Rosenhans Studie verschiedentlich angezweifelt worden. So wurden etwa in seinem Nachlass mehrere Indizien für manipulierte Ergebnisse und inkorrekte Schlüsse gefunden.

Es bleibt also offen, inwiefern die Behandlung in Kliniken generell abzulehnen ist. Plausibel ist, dass die Therapie grundsätzlich schnell an ihre Grenzen stößt, da Psychiater stark auf introspektive Feststellungen der Patienten angewiesen sind. Jedoch ist zu beachten, dass sich seit Rosenhans Studie in den 1970ern in der Therapie und klinischen Psychologie viel verändert hat und weiterhin verändert wird.

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Verfügbarkeitsheuristik ../../../kurs-6/verfuegbarkeitsheuristik/index.html ../../../kurs-6/verfuegbarkeitsheuristik/index.html Fri, 21 Aug 2026 09:29:31 +0000 ../../../index.html Verfügbarkeitsheuristik ist eine weitere kognitive Verzerrung, die uns im Alltag begleitet. Heuristik (aus dem Griechischen: entdecken) bezeichnet dabei den Vorgang, mit begrenztem Wissen auf andere Sachverhalte zu schließen. Das Phänomen bezieht sich darauf, dass Menschen Wahrscheinlichkeiten für die Häufigkeiten bestimmter Ereignisse anhand der Leichtigkeit bestimmen, mit der einem Beispiele dafür einfallen. 

Abb. 2: Das Modell zur Verfügbarkeits- und Affektheuristik der Referatsgruppe

In einem Experiment konnten wir belegen, dass uns in manchen Situationen weniger Belege stärker überzeugen können. Das steht entgegen der Annahme, dass wir uns in je einer bestimmten Eigenschaft besser einschätzen, je mehr Belege uns dafür einfallen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn wir von jemandem aufgefordert werden, konkrete Belege zu finden und ab einer bestimmten Anzahl Schwierigkeiten haben, uns an welche zu erinnern. Diese Schwierigkeit wird folglich falsch interpretiert, als Mangel an Belegen und dementsprechend auch Mangel an einer bestimmten Eigenschaft. Wenn wir Informationen in Form von Beispielen abrufen, beeinflussen mehrere Faktoren, wie gut uns dies gelingt, sodass wir die eigentliche Frage: Wie wahrscheinlich ist etwas? durch die Vereinfachung Wie leicht fallen mir Beispiele dafür ein? ersetzen. Kategorien, die beeinflussen, wie gut das gelingt, sind die Verfügbarkeit (retrievability), wie effektiv wir suchen können (searchability), unser Vorstellungsvermögen (imaginability) und die Verknüpfbarkeit beziehungsweise Plausibilität (connectability). 

Affektheuristik ersetzt die Frage: Wie wahrscheinlich ist etwas? durch die Frage: Was halte ich von etwas? Diese Frage versuchen wir zu beantworten, indem wir uns mit den Emotionen auseinandersetzen, die wir mit dem Thema verbinden. Besonders relevant sind dabei alte Muster und neuer Input, die wir aus Gewohnheit verwenden, ohne zu berücksichtigen, wie relevant und übertragbar sie für diese Situation sind.

Verfügbarkeitsheuristik sehen wir zwar als kognitive Verzerrung an, die uns jedoch auch bei der Alltagsbewältigung helfen kann, da die Plausibilität, die wir etwas zuordnen, nicht unbegründet ist. Die Verfügbarkeitsheuristik ist ein Phänomen, dass bei der Steigerung zur Verfügbarkeitskaskade und unter Zeitdruck unbewusst unsere Denkweise noch stärker beeinflusst. Dies demonstriert ebenfalls ihre Problematik und im Grunde auch ihre Unumgehbarkeit.

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Wann ist etwas Wissenschaft? ../../../kurs-6/wann-ist-etwas-wissenschaft/index.html ../../../kurs-6/wann-ist-etwas-wissenschaft/index.html Thu, 20 Aug 2026 09:18:55 +0000 ../../../index.html Zur Beantwortung der Frage, wann etwas als Wissenschaft gelten kann, d.h. wodurch sich Wissenschaft von Nicht- bzw. Pseudowissenschaft unterscheidet, eruierten wir wichtige Merkmale von Wissenschaftlichkeit: klare Begriffe und Terminologie, empirische Belege, explizit angegebene Methoden sowie klare und eindeutige Fachbegriffe bzw. Termini.

Besondere Relevanz kommt der Frage nach der wissenschaftlichen Überprüfbarkeit zu: Wissenschaftliche Aussagen müssen so formuliert sein, dass andere sie nachvollziehen, überprüfen und gegebenenfalls widerlegen können. Dazu gehören die Suche nach Fehlern, die Dokumentation des Vorgehens und die Bereitschaft, eine Theorie weiterzuentwickeln oder zu korrigieren.

Bei vielen in der im Dokumentarfilm „Die Mondverschwörung“ dargestellten Pseudotheorien scheint ein Feindbild Ausgangspunkt der Erklärung zu sein: Die Welt wird in ein „Wir“ und ein „Ihr“ geteilt. Gegenargumente werden dadurch nicht notwendig als Widerlegung der eigenen Annahmen verstanden, sondern können in das bestehende Erklärungssystem integriert werden. So entsteht ein geschlossenes Weltbild, das sich nur schwer durch Gegenbelege verändern lässt. Für die Forderung nach wissenschaftlicher Überprüfbarkeit kann gleichsam Nietzsches „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“ stehen: Während wissenschaftliche Theorien prinzipiell an Gegenbelegen scheitern können, immunisieren sich verschwörungstheoretische Erklärungen gerade durch Zusatzannahmen weiter.

Dies lässt sich auch an Social-Media Bubbles beobachten. Dort können sich Deutungsräume bilden, in denen vor allem solche Informationen wahrgenommen werden, die die eigene Sichtweise bestätigen. Dadurch wird es schwieriger, mit anderen Positionen in Kontakt zu kommen und die eigenen Überzeugungen zu hinterfragen.

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Wissenschaftstheorie  ../../../kurs-6/wissenschaftlichkeit/index.html ../../../kurs-6/wissenschaftlichkeit/index.html Wed, 19 Aug 2026 16:15:44 +0000 ../../../index.html

Peter Janich (1942–2016) war ein deutscher Philosoph und beschäftigte sich ausführlich mit der Frage „Was ist Wissenschaft?”. Wissenschaft sei die Hochstilisierung lebensweltlicher Praxen, also alltäglicher Handlungen wie beispielsweise der Schreinerarbeit. Dabei werden Fachbegriffe und Messtechniken vereinheitlicht (vgl. Janich 1996, 63).

Janich zählt insgesamt eine Vielzahl an wichtigen Eigenschaften auf, um Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft zu differenzieren: Er greift auf, dass Wissenschaft eine Handlung zugrunde liegt. Eine Handlung sei dabei jedoch nicht wie im umgangssprachlichen Sinne dasselbe wie Verhalten, sondern basiere auf einer handlungstheoretischen Grundlage der Wissenschaften. 

Er teilt alles in Dinge und Geschehnisse auf, wobei Geschehnisse zusätzlich noch in Bewegungen und Regungen aufgeteilt werden. Bewegungen umfassen z.B. den freien Fall eines Balles. Regungen sind hingegen als Oberbegriff zu Verhalten und Handeln zu verstehen. Verhalten läge immer eine Ursache zugrunde.
Das Stolpern ist beispielsweise aus einer Unebenheit im Boden zurückzuführen oder aus der ungeschickten Wahl einer Lauftechnik. Zu beachten ist, dass Verhalten nicht unterlassen werden kann: Man kann sich nicht aktiv gegen Verhalten entscheiden. Zusätzlich kann Verhalten weder ge- noch misslingen, denn Verhalten ist im Gegensatz zu Handlungen nicht zielgerichtet, sondern beruht auf Ursachen.

Handlungen seien hingegen solche Regungen, zu welchen man auffordern kann und welche auch unterlassen werden können. Im Gegensatz zum reflexartigen Niesen einer Person, welches als Verhalten angesehen wird, ist das kontrollierte Niesen eines Schauspielers während einer Theateraufführung eine Handlung. Der Schauspieler könnte das Niesen unterlassen, die Person wiederum nicht (vgl. Abb. 1).

Sprachlich ist dabei wichtig zu differenzieren, dass man Verhalten bezogen auf dessen Ursache zwar erklären, aber nicht (i.e. auf ein Ziel hin gerichtet) verstehen kann. Handeln wiederum kann man auf dessen Ziele bezogen verstehen, jedoch nicht (i.e. kausal) erklären (vgl. Janich 1997, 28–31).

Das Handeln unterliegt im Gegensatz zum Verhalten einer gewissen Handlungskompetenz, nach welcher es zu beurteilen ist: Erstens der Zwecksetzungsautonomie, also der Selbstbestimmung des Zweckes des eigenen Handelns, zweitens aber auch der Mittelwahlrationalität, d.h. der Wahl der geeigneten Mittel, und drittens der Folgenverantwortlichkeit, also dass der handelnden Person die Folgen ihrer Handlung als Verdienst resp. Schuld zugeschrieben werden.

Abb. 1: Schema zu den Begrifflichkeiten der Handlungstheorie

Neben dem Handlungscharakter des Wissenschaft-Treibens betont Janich den Anspruch auf transsubjektive Gültigkeit, den Wissenschaften für ihre Behauptungen erheben. Transsubjektivität (lat. trans = über, über hinaus) bedeutet, dass die Subjektivität zu überwinden ist.
Wissenschaftliche Erkenntnisse sollen somit prinzipiell für alle nachvollziehbar sein, indem die Normierung der sprachlichen Darstellung, wie die Einigung auf Fachbegriffe, stattfindet, die Methoden der Überprüfung geltend gemacht werden können und somit die Reproduzierbarkeit ermöglicht wird (vgl. Janich 1997, 43). Er formuliert „Wissenschaftliches Wissen soll transsubjektive Geltung haben.” (Janich 1997, 63). Niemand soll also diesem wissenschaftlichen Wissen widerspruchsfrei widersprechen können.

„Die Mondverschwörung”

Genau diese Forderung der Transsubjektivität bezogen auf wissenschaftliches Wissen ist bei Pseudowissenschaften nicht gegeben. Der Dokumentarfilm „Die Mondverschwörung” aus dem Jahr 2010 stellt eine Vielzahl pseudowissenschaftlicher Erklärungen vor. Anhand der Betrachtung dieser der Forderung nach transsubjektiver Nachvollziehbarkeit nicht genügenden (Pseudo-)Theorien können wir nicht nur unser Verständnis von wissenschaftlichem Wissen auf den Prüfstand stellen, sondern auch weiterhin cognitive fallacies erkennen, wie den schon vorher genannten confirmation bias

Beispielsweise greift die im Dokumentarfilm aufgeführte „Plutoniumverschwörung” diese Aspekte auf. Die gezeigte Vertreterin dieser Theorie versucht, anhand von nicht normierter Sprache und ihren eigenen Messmethoden Personen von ihrer Weltanschauung zu überzeugen. 
Sie geht davon aus, dass ein sog. „Plutoniumimperium” versucht, die Weltherrschaft zu übernehmen. Die Vertreterin der Theorie demonstriert mithilfe eines Kristallpendels, wie man die Plutoniumkonzentration von Objekten und Personen messen kann. Denn daraus zieht sie Schlüsse, ob das Objekt oder die Person Teil der Plutoniumverschwörung sind.

Ihre Methodik ist dabei nicht wissenschaftlich und hat keine transsubjektive Geltung. Die Erklärung genügt somit nicht unseren Kriterien der Wissenschaftlichkeit und kann als Pseudowissenschaft verstanden werden.

Gütekriterien zur Bewertung von psychologischen Theorien (Edgar Erdfelder)

Für die Bewertung psychologischer Theorien schlägt Erdfelder Gütekriterien vor. Sie umfassen drei Hauptkriterien und fünf  Nebenkriterien. Die Hauptkriterien sind die logische Konsistenz, also die Widerspruchsfreiheit der Theorie, der empirische Gehalt, dass bei der Theorie eine potenzielle empirische Falsifizierbarkeit möglich ist, und die empirische Bewährung, dass die Theorie nichttriviale Falsifikationsversuche erfolgreich überstanden hat.

Die zu bewertende psychologische Theorie wird der Reihenfolge der Kriterien nach untersucht. Denn wenn beispielsweise keine logische Konsistenz gewährleistet ist, ist es irrelevant, ob die empirische Bewährung gegeben ist. Zu den Nebenkriterien zählen die praktisch-technologische Relevanz, also die Anwendbarkeit, die emanzipatorische Relevanz (nach Holzkamp) und der heuristische Wert (altgr. heurískein = auffinden, entdecken). Dabei sind auch der integrative Wert und die Präzision für Erdfelder relevante Nebenkriterien. 

Diese Kriterien ermöglichen es, psychologische Theorien auf ihre Wissenschaftlichkeit zu prüfen und somit ihre Bewertung zu erleichtern.

Quellen:

  • Peter Janich, Kleine Philosophie der Naturwissenschaften, Beck, München 1997, 14-63.
  • Frickel, Thomas, Die Mondverschwörung (2011), HE-Film, W-film Verleih.

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