Selina Fischerkeller – Aka Journal ../../../index.html Deutsche SchülerAkademie Schwäbisch Gmünd 2026-1 Sat, 29 Aug 2026 16:32:32 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://doku1.schuelerakademien.de/wp-content/uploads/2026/07/favicon-150x150.png Selina Fischerkeller – Aka Journal ../../../index.html 32 32 Der Mythos des Sisyphos ../../../kurs-6/der-mythos-des-sysiphos/index.html ../../../kurs-6/der-mythos-des-sysiphos/index.html Mon, 24 Aug 2026 09:30:54 +0000 ../../../index.html Mathilda Böse & Selina Fischerkeller


Die Rotation bot uns die Chance, verschiedene Einblicke in die anderen Kurse unserer Akademie zu erlangen. Zudem gab sie uns die Möglichkeit, unsere eigenen Themen noch einmal so vertieft zu reflektieren, dass wir sie anderen verständlich referieren konnten. 

Mit dem Ziel, noch einmal einen neuen Zugang zum Kursthemen-Komplex zu erlangen, beschäftigten wir uns mit Albert Camus‘ Philosophie des Absurden. Vor dem Hintergrund der geopolitischen, wirtschaftlichen und auch wissenschaftlichen Entwicklung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, welche von einer beschleunigten Industrialisierung und letzteres auch von zwei Weltkriegen geprägt wurden, erlebten so etliche Denker*innen eine Sinnkrise. Diese Erfahrung machte auch Camus. In seinem Essay „Der Mythos des Sisyphos“ (Camus 2025) legt er dar, dass das Leben ihm als absurd gilt, da der Mensch als rationales Wesen in einer irrationalen Welt lebe. Demzufolge könne das Leben keinen immanenten Sinn haben. Menschen würden jedoch ungern ihre eigene Existenz als unbedeutend ansehen.

Aus dieser Situation sieht Camus drei mögliche Auswege. Die erste Opton sei der physische Selbstmord. Die zweite Option sei der philosophische Selbstmord: Damit meint er, dass man sich selbst belügt und im irrationalen Glaube an Gott dem Leben einen nicht-existenten Sinn zuschreibt. Beide dieser Ausgänge haben gemeinsam, dass sie die gegebene Absurdität bloß verleugnen. Die letzte, von Camus bevorzugte Möglichkeit hingegen besteht aus mehreren Schritten: Erst die Erkenntnis, dann die Annahme der Absurdität. Ein Mensch, der die Absurdität seines Daseins angenommen hat, kann schließlich den Schritt in die Revolte gehen, indem er seine absolute Freiheit verteidigt und sich in ihr behauptet. Hier sieht Camus Sisyphos: Ihm wurde von den Göttern als Strafe die sinnlose Arbeit auferlegt, immerzu einen Stein einen Berg hochzurollen, nur damit dieser, oben angekommen, immer wieder hinunter rollt und Sisyphos die kraftverzehrende Arbeit erneut beginnen muss. Sein Triumph liegt, so Camus, in dem Bewusstsein über seine absurde Situation. Da seine komplette Existenz ohnehin sinnlos sei, habe er die Kontrolle über sein Schicksal, denn er ist die handelnde Person in diesem Szenario.

Camus vergleicht Sisyphos Leben mit dem eines Arbeiters. Ein Leben, zu dem er persönlichen Bezug hatte, da er aus einer Arbeiterfamilie stammte und zeitweise in der kommunistischen Bewegung aktiv war. Der Arbeiter verbringe lange Stunden mit  sinnloser Arbeit. Ein absolutes Ziel auf das er sich freuen kann, wird ihm nur vorgegaukelt.

Sisyphos wurde von den Göttern verlassen. Seine Vorgeschichte ist irrelevant für das Weltbild, das Camus vermitteln möchte. Innerhalb des radikalen Materialismus, den er vertritt, gibt es nämlich keine übergeordneten Instanzen, jedoch kann auch er nicht sagen, wie die Welt entstanden ist. 

Nach Camus Ansicht hat das Leben selbst keinen Sinn und auch wir Menschen können ihm nicht bloß willkürlich einen zuschreiben. Diese Weltanschauung klingt zwar zunächst deprimierend, aber uns die eigene Irrelevanz vor Augen zu führen, ist nur ein Teil der Gleichung. Der Theorie zufolge kann man genauso wenig auf seinem Lebensweg versagen, da das menschliche Leben keinen Zweck erfüllen muss, der Mythos des Sisyphos zeigt also auch die absolute Freiheit, die uns ein Dasein ohne übergeordneten Sinn ermöglicht und aufzwingt.

Anknüpfend an die Frage über den Sinn des Lebens eruierten wir, warum wir überhaupt nach diesem suchen. Hierfür gibt es mehrere mögliche Beweggründe, zum Beispiel das Verlangen nach einem angestammten Platz in der Welt oder nach Relevanz zu streben. Im Vordergrund bei Camus steht außerdem das Individuum, das die Kontrolle über sein Schicksal hat. Dies erinnert an Bestandteile des Konstruktivismus. Hier ist es ebenfalls das Individuum, welches seine Wirklichkeit gestaltet, wobei dies oft unbewusst geschieht, was an Camus‘ Idee grenzt, wonach jeder seines Schicksals Schmied wäre.

Schließlich kann man Janichs Handlungstheorie auch auf Camus beziehen. Nach Janich ist nämlich der Zweck oder Sinn jener Sachverhalt, den Menschen mit Handlungen anstreben. Sachverhalten oder Dingen, die nicht vom Menschen handelnd hervorgebracht wurden, können demnach keinen ihnen immanenten Zweck haben.

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