Sasha Dominique Djoleo Ngaffi – Aka Journal ../../../index.html Deutsche SchülerAkademie Schwäbisch Gmünd 2026-1 Thu, 03 Sep 2026 10:39:42 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://doku1.schuelerakademien.de/wp-content/uploads/2026/07/favicon-150x150.png Sasha Dominique Djoleo Ngaffi – Aka Journal ../../../index.html 32 32 Angst und dessen Universalität ../../../kurs-3/angst-und-dessen-universalitaet/index.html ../../../kurs-3/angst-und-dessen-universalitaet/index.html Thu, 27 Aug 2026 12:58:20 +0000 ../../../index.html Sasha Dominique Djoleo Ngaffi

„Are you feeling like I’m feeling?“ Diese Frage stellt sich die Band Stick Figure 2019 in ihrem Lied Angels Above Me. Auch viele andere Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sichin ihren Texten mit Gefühlen und damit, ob andere genauso empfinden wie sie selbst.  

Emotionen sind nicht nur in der Popkultur, sondern auch in der Forschung ein wichtiges Thema. 

Schon ab 1960 beschäftigte sich Paul Ekman intensiv mit diesem Thema. Er kam zu dem Schluss, dass wir Menschen sechs feste Basisemotionen teilen, die überall auf der Welt gleich sind. Ich habe Ekmans Forschung und neuere Studien angesehen. Meine These ist: Das ist nicht uneigeschränkt richtig. Menschen haben eigentlich nur eine universelle Emotion, und das ist die Angst. 

Um meine These zu prüfen, müssen wir zuerst klären, was eine Emotion überhaupt „universell“ macht. 

Eine universelle Emotion muss für alle Menschen gelten. Das heißt, jeder Mensch soll diese Emotion unabhängig von Kultur, Sprache oder Herkunft gleich fühlen. Sie müssen sieauch körperlich gleich zeigen und bei anderen wiedererkennen können. 

Wenn man diesen strengen Maßstab anlegt, besteht Ekmans Annahme und Forschung die Überprüfung nicht.  

Ekman sagte in seinen Studien, die sich auf verschiedene Kulturen bezogen, dass viele Grundemotionen wie Freude, Ekel, Trauer oder Wut überall auf der Welt gleich seien. Heute kann man das aber widerlegen.  

Lisa Feldman Barrett zeigt in ihrer Emotionsforschung zum Beispiel, dass Emotionen keine festen, biologischen Programme sind. Das Gehirn konstruiert sie auf Grundlage von Kultur, Sprache und sozialer Erziehung. 

Was in einer Kultur Ekel auslöst, wie zum Beispiel das Essen bestimmter Insekten, gilt in einer anderen als Delikatesse, über die man sich freut.  

Auch, wie Freude oder Trauer gezeigt und verstanden werden dürfen, hängt von gesellschaftlichen Mustern und Normen ab.  

Emotionen wie Freude oder Trauer sind also keine allumfassenden Emotionen , sondern soziale Kommunikationssignale. 

Die Angst nimmt hier aber eine ganz besondere Stellung ein. Sie ist die einzige Emotion, die meines Erachtens nach wirklich als universell gilt. Anders als andere, eher geschaffeneEmotionen braucht Angst keine kulturellen Vorgaben, soziales Gegenüber und keine erlernte Deutung. 

Aus neurobiologischer Sicht nimmt die Angst eine unbewusste und sehr schnelle Abkürzung direkt über die Amygdala. Dabei umgeht sie die bewusste Großhirnrinde komplett.  

Diese neuronale Hardware ist bei allen Menschen auf der Welt genau gleich verschaltet. Sie löst bei einer Bedrohung sofort und ohne kulturelle Einflüsse körperliche Reaktionenaus. 

Die Hardware zeigt sich in unkontrollierbaren körperlichen Reaktionen. Die weit aufgerissenen Augen vergrößern das Sichtfeld. Geöffnete Lippen sorgen für mehr Sauerstoffzufuhr. Physiologische Reaktionen wie Zittern oder die unwillkürliche Aktivierung des Körpers laufen bei jedem Menschen auf der Welt genau gleich ab.  

Ob in Asien, Europa oder Amerika, die körperliche Angstreaktion ist überall sofort erkennbar und gleich, weil sie unabhängig von Sprache und Kultur funktioniert. 

Fasst man diese Argumente zusammen, sieht man, dass kulturelle Bedingungen und Ekmans Basisemotionen stark durch soziale Interaktionen geprägt und veränderbar sind. Die biologische und körperliche Reaktion auf Angst bleibt aber überall gleich.  

Sie ist die einzige Emotion, die bei allen Menschen und Kulturen wirklich gleich ist. Alle anderen Gefühle entstehen zum Beispiel erst durch das Zusammensein mit anderen. 

Jetzt wissen wir, was die Universalität von Emotionen ausmacht. Wir haben auch gesehen, warum Angst die einzige Emotion ist, die diesen Test besteht. Im Unterschied zu den von Ekman genannten Basisemotionen, die stark von Kultur und Normen abhängen, bleibt die Angst als universelle und unveränderte Emotion bei allen Menschen gleich. 

Damit lässt sich die ursprüngliche These genauer fassen. Angst ist nicht unbedingt die einzige vollkommen universelle Emotion. Sie ist aber von den hier besprochenen Emotionendiejenige, bei der ein gemeinsamer biologischer Ursprung und ähnliche Merkmale über verschiedene Kulturen hinweg sehr klar zu erkennen sind.  

Die Universalität der Angst heißt also nicht, dass alle Menschen vor denselben Dingen Angst haben oder ihre Angst auf die gleiche Weise bewusst zeigen. Sie bedeutet vielmehr,dass Menschen, egal aus welcher Kultur sie kommen, ähnliche grundlegende Mechanismen haben, mit denen sie auf Bedrohungen reagieren, die sie wahrnehmen. 

Vielleicht ist genau das die Antwort auf die Frage, die Stick Figure in Angels Above Me stellt. „Are you feeling like I’m feeling?“ Nicht jeder Mensch erlebt jede Emotion auf die gleiche Weise. Trotzdem verbindet uns die Fähigkeit, Gefahr zu erkennen und Angst zu fühlen, über alle kulturellen Unterschiede hinweg. 

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