Lea Amend – Aka Journal ../../../index.html Deutsche SchülerAkademie Schwäbisch Gmünd 2026-1 Sat, 29 Aug 2026 20:00:31 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://doku1.schuelerakademien.de/wp-content/uploads/2026/07/favicon-150x150.png Lea Amend – Aka Journal ../../../index.html 32 32 Selbsttäuschung ../../../kurs-6/selbsttaeuschung/index.html ../../../kurs-6/selbsttaeuschung/index.html Wed, 19 Aug 2026 09:49:54 +0000 ../../../index.html Das weit verbreitete Phänomen der Selbsttäuschung bedeutet, dass man eine bestimmte Annahme (oder Annahmen) über sich selbst glaubt, obwohl es dafür keine, nur wenige empirische Belege oder sogar Gegenbeweise gibt.

Selbsttäuschung kann bewusst und unbewusst sein und findet dann statt, wenn ein großer Unterschied zwischen den Annahmen, die man für wahr hält bzw. halten möchte, und den Daten aus der Wirklichkeit vorliegt. Denn die Diskrepanz von Daten aus der externalen und internalen Welt resultiert in einer Dissonanz, die Spannung erzeugt, belastet, stört, unangenehm ist. Um diese Diskrepanz bzw. Dissonanz zu vermeiden, gibt es verschiedene Wege, und bei einem dieser Wege handelt es sich eben um die Tatsache, dass man sich selbst täuscht und damit eine illusionäre Wirklichkeit erschafft.  Die Person baut ein ,,Glaubenssystem“ über sich (und die Welt) auf, das wenig datengestützt ist (oder sogar Daten widerspricht) und das deshalb (in unterschiedlich hohem Ausmaß) illusionär ist.

 Um vorher Beschriebenes greifbar zu machen, lässt sich das Beispiel einer Person heranziehen, die davon überzeugt ist, sie sei intelligent. Nun ist es aber so, dass sie in Tests, die Intelligenz messen sollen, weniger gute Leistungen erbringt, zwischen Selbstbild und Realität also eine Diskrepanz besteht. Da sie die Annahme, sie sei intelligent zum einen für wahr hält und zum anderen für wahr halten möchte, täuscht sie sich selbst, was der Dissonanzreduktion dient.

Damit die Selbsttäuschung nicht unter dem Druck der Daten kollabiert, entwickelt der sich Täuschende diverse kognitive Strategien zum Schutz und zur Aufrechterhaltung seiner mentalen Konstruktion, die auch als „defensive Strategien“ bezeichnet werden. Im vorher konstruierten Beispiel würde es sich zum Beispiel um den Gedanken handeln, dass Intelligenz mit dem absolvierten Test gar nicht adäquat ermittelt werden könne. Selbsterklärend sind dabei wohl die Strategie der Rechtfertigung oder das Aufhalten in die Selbsttäuschung stützenden Meinungsräumen.

Eine weitere ausführlich vorgestellte Strategie (neben diversen anderen) ist das „Schönrechnen“ der Kosten. Bei Kosten handelt es sich um negative Konsequenzen und Effekte, verursacht durch eine Selbsttäuschung. Bedeutsam ist hier folgende Überlegung: Erzeugt eine Selbsttäuschung im Kontext positive Effekte, dann wird die entsprechende Annahme bekräftigt, also verstärkt. Erzeugt die Annahme jedoch negative Effekte – also Kosten –, dann gerät die Selbsttäuschung erneut unter Druck (also nicht nur durch widersprechende ,,Fakten“, sondern auch durch die Kosten, die den Sinn der Annahme in Frage stellen): Sie wird auch durch die negativen Realitätseffekte (zusätzlich) in Frage gestellt. Und daraus resultiert, dass die Person dann in noch stärkerem Ausmaß defensive Strategien zum Schutz der Annahme realisieren muss.

Insgesamt lassen sich vier verschiedene Strategien des „Schönrechnens“ bestimmen. Bei den ersten drei Strategien handelt es sich um das Ignorieren, Minimieren oder Wegattribuieren der Kosten; bei der vierten Strategie, dem „Saure-Trauben-Prinzip“ geht es darum, sich einzureden, das Ziel sei ohnehin nicht erstrebenswert gewesen. Vorher erwähnter Satz zur Tatsache, dass Selbsttäuschungen sowohl positive als auch negative Effekte haben können, führt auch direkt zur Feststellung, dass man Selbsttäuschungen – entgegen der alltäglichen negativen Konnotation des Wortes – in positiv und negativ einteilen kann, je nachdem, wie viel Gewinn bzw. Kosten sie verursachen. Damit können Selbsttäuschungen auch zu einem guten, also einem funktionalen Realitätsmodell (= es lassen sich Effekte vorhersagen / effektive Handlungen werden ermöglicht / es werden mehr Gewinne als Kosten produziert) beitragen, aber eben auch zu einem nicht-funktionalen Modell.

Ein diskutierter Aspekt war die Präzisierung des Begriffs der Selbsttäuschung, denn nur weil externe Daten nicht mit internen Überzeugungen übereinstimmen, bedeutet dies nicht zwingend, dass die innere Überzeugung (komplett) falsch ist, also eine Täuschung vorliegt.

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