Julius Fuhrmann – Aka Journal ../../../index.html Deutsche SchülerAkademie Schwäbisch Gmünd 2026-1 Fri, 04 Sep 2026 13:28:49 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://doku1.schuelerakademien.de/wp-content/uploads/2026/07/favicon-150x150.png Julius Fuhrmann – Aka Journal ../../../index.html 32 32 Fazit zum Kurs ../../../kurs-6/fazit-zum-kurs/index.html ../../../kurs-6/fazit-zum-kurs/index.html Fri, 28 Aug 2026 10:38:07 +0000 ../../../index.html Luna König

Einen Schritt zurück machen. Sich Überblick verschaffen. Abstrahieren und verbinden. Das Denken über das Denken war essentiell für die Arbeit und das Miteinander im Kurs, zwei Dinge, die selbst untrennbar miteinander verbunden sind. 

Angefangen mit den kognitiven und visuellen Täuschungen, hin zur Psychologie als Wissenschaft und der Wissenschaftstheorie, die wiederum auf Handlungstheorie aufbaut, mithilfe derer man über die Probleme des Determinismus, den Sinn des Lebens und der Beschaffenheit von Bewusstsein sprechen kann. Das Bewusstsein über die Art und Weise, wie wir miteinander diskutieren, sowohl theoretisch als auch praktisch, hat dazu geführt, dass Erkenntnisse hauptsächlich im Gespräch entstanden, sodass sie nachhaltig und konsensfähig waren. Methodische und fachliche Erkenntnisse fallen zusammen.

]]>
../../../kurs-6/fazit-zum-kurs/feed/index.html 0
Grenzen der Psychologie ../../../kurs-6/grenzen-der-psychologie/index.html ../../../kurs-6/grenzen-der-psychologie/index.html Thu, 27 Aug 2026 09:33:14 +0000 ../../../index.html Luna König & Mathis Krämer

Das Leib-Seele-Problem, im modernen Diskurs meist als Mind-Brain-Problem bezeichnet, ist kein Problem im alltäglichen Sinne einer schwer lösbaren Aufgabe, sondern ein begriffliches. Es entspringt der ontologischen Unterbestimmtheit empirischer Daten, die ihre eigene Deutung nicht mitliefern, und ist deshalb durch empirische Forschung grundsätzlich nicht aufzulösen. Zuspitzung erfährt es in einem Trilemma dreier je für sich plausibler Thesen: der Dualismusthese (mentale Phänomene sind nicht-physische Phänomene), der Wechselwirkungsthese (mentale Phänomene sind im Physischen kausal wirksam) und dem Prinzip des methodologischen Physikalismus (der Bereich physischer Phänomene ist kausal geschlossen).

Da nicht alle drei zugleich haltbar sind, bestimmt sich jede Position darüber, welche These sie verneint. Der interaktionistische Dualismus streicht die kausale Geschlossenheit, leidet aber am ungelösten modus operandi: Wo und wodurch soll eine immaterielle Einwirkung stattfinden? Der Physikalismus differenziert sich über die Supervenienz aus, also die Abhängigkeit des Mentalen vom Physischen – keine mentale Veränderung ohne physische. Der nichtreduktive Physikalismus nimmt dabei eine letztlich inkohärente Zwischenstellung ein, der reduktive scheitert an der Erklärungslücke zwischen neuronalen und phänomenalen Zuständen. Der Eliminativismus schließlich streicht die mentalen Entitäten selbst, was ein utopisches Programm bleibt und der Subjekterfahrung widerspricht. Als Ausweg bot sich ein Perspektiven- statt Substanzendualismus an, in Anlehnung an den Hylemorphismus, nach dem Gegenstände aus Materie und Form bestehen und die Form bei Lebewesen Seele heißt: Materie und Form sind nicht zwei Arten von Dingen, sondern zwei Betrachtungsweisen desselben.

Der Dualismus räumt ein, dass die Naturwissenschaften nicht alle Regungen des Menschen erklären können. Es bleibt ein Handlungsspielraum, der dem freien Willen unterliegt. Der Scientismus fordert nicht nur, dass sich menschliche Handlungen alleine durch physikalische Gesetzmäßigkeiten erklären lassen, sondern auch, dass dazu heutzutage bekannte Theorie ausreicht. Der Grund für menschliches Handeln wird nicht in der Kultur der Menschen gesucht, sondern den naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, besonders der Evolution. Für diese Denkrichtung soll im folgenden am Beispiel des Textes (Geoffrey, 2000) erläutert werden. Daran anschließend werden anhand eines weiteren Beispiels die Grenzen der modernen Psychologie erläutert werden. 

Scientismus

Der Sinn für Ästhetik sei ein Werkzeug zur sexuellen Partnerwahl. Die Fertigkeit, einen ästhetischen Gegenstand, das heißt Schmuck, herzustellen sei ein Indikator für die Überlebensfähigkeit des Künstlers. Das ließe sich untermauern mit der Beobachtung, dass die Kriterien für die Schönheit eines Gegenstandes mit denen für eine Aufwändige Herstellung zusammenfallen würden (Geoffrey, 2000, 318). Das ließe sich untermauern mit der Beobachtung, dass die Herstellung eines schönen Gegenstandes im Vergleich mit einem rein nützlichen Gegenstand Eigenschaften des Künstlers fordert, welche auch die Überlebensfähigkeit steigern. Genannte Beispiele sind Intelligenz, Kreativität, Energie und Ausdauer (Geoffry, 2000, 319). Bei diesen Folgerungen fällt auf, dass Kultur als formende Kraft für ästhetisches Bewusstsein nicht in Frage kommt. Die ästhetischen Vorlieben aller Menschen werden zurückgeführt auf Prozesse in der Evolution, deren einzige materielle Realisation heute in der Genetik liegt, also werden die ästhetischen Vorlieben eines Menschen auf seine Genetik zurückgeführt. 

Neben dem Sinn für ästhetik habe auch die eloquente Sprache nur den Zweck, zur sexuellen Partnerwahl Angepasstheit zu signalisieren. So würden Jungen im Alter der frühen Jugend noch keine Eloquenz besitzen. Es würde eine einfachere, nur zur Informationsvermittlung nützende und dafür genügende Sprache verwendet werden, bis zu dem Zeitpunkt, zu dem Jungen anfangen, ihre sexuelle Attraktivität zu steigern indem sie Angepasstheit signalisieren. Parallel zum Fall der ästhetischen Objekte seien die Eigenschaften, die ein Redner bräuchte, um eine hohe Sprachqualität hervorzubringen, die selben seien, die auch vererbbar sind und die Überlebenschancen der Nachfahren steigern (Geoffrey, 2000, 396). 

Der Versuch, menschliche Handlungen wie die Rede oder die Partnerwahl auf die evolutionär bedingte Genetik zurückzuführen macht aus diesen Handlungen ein Verhalten. Der Scientismus im speziellen und der Naturalismus, der fordert, dass es Natürliches gibt, das in der heutigen Welt erkennbar ist, weil es im Gegensatz zu kulturellen Phänomenen, die letztendlich nur unmittelbare Ausdrücke der natürlichen Bedingung des Menschen, bestandsfähig ist, kann altruistische Regungen nicht erklären. Homosexualität lässt sich ebensowenig erklären wie die andauernde Entwicklung der Kultur. Speziell Frauen werden reduziert auf die Partnerwahl, wobei die ihnen zugesprochene Rolle das Auswählen des eloquentesten und angepasstesten Mann nicht übersteigt. Sind laut Scientismus die Regungen eines Menschen alleine durch seine Genetik bestimmt, so ist er ein Determinismus. Daher unterliegt er dem Problem des performativen Selbstwiederspruchs. Wie früher angemerkt handelt es sich dabei um den Sachverhalt, dass mit der Fähigkeit zu handeln die Fähigkeit zu behaupten wegfällt. Wer also den Scientismus behauptet, der behauptet gleichzeitig, er könne nicht behaupten.

Neuromythen

Ebenso aufschlussreich ist die Demontage populärer Neuromythen, vom Gehirnjogging bis zum Mozart-Effekt. Als Prüfstein diente der Fall Phineas Gage (1848): Entgegen der These, ein Trauma des präfrontalen Cortex zerstöre zwangsläufig den Charakter, arbeitete Gage später jahrelang zuverlässig als Kutscher, und ein spanischer Parallelfall verlief dank familiärer Auffangstrukturen unauffällig. Solche Mythen entstehen durch systemische Anreize: Pressestellen und Fördermittelgeber belohnen Zuspitzung, die Presse ist laut, die Fachwelt leise (Brain Overclaim Syndrome). Wenn Neurowissenschaftler wie Gerhard Roth oder Wolf Singer aus neuronalen Daten globale Schlüsse ziehen, verlassen sie ihr Fachgebiet: Über Reiz und Reaktion lässt sich viel sagen, über Deutung und Verantwortung wenig.Zukünftig brisant wird das beim Frühscreening, das Menschen wegen einer Prognose die Autonomie entzieht – Phrenologie mit modernen Mitteln.

Wie störanfällig bereits das eigene Urteil ist, zeigen die Konformitätsexperimente von Solomon Asch (1951): Sobald eine eingeweihte Mehrheit geschlossen falsch urteilt, geben 37 Prozent der Einzelurteile nach, und 76 Prozent der Versuchspersonen schließen sich mindestens einmal an. Anreize für Richtigkeit senken die Nachgiebigkeit auf 25 Prozent, ein einziger Verbündeter erleichtert den Widerspruch drastisch. Es wirken der normative (Wunsch nach Zugehörigkeit) und der informationale soziale Einfluss (Annahme, die Gruppe sehe genauer). Unvernünftig ist dieses Nachgeben nicht, da wir Mitmenschen erfahrungsgemäß Urteilsvermögen unterstellen.

Das Asch-Experiment führt uns somit eindrücklich vor Augen, dass unsere Wahrnehmung keineswegs autonom agiert, sondern maßgeblich durch soziale Dynamiken und das Vertrauen in das Gruppenurteil geformt wird.

Allgemein:

Der eigentliche Darling – die Vorstellung, die Neurowissenschaft könne menschliches Verhalten vollumfänglich erklären – ist damit entzaubert. Womöglich war er es schon vorher.

]]>
../../../kurs-6/grenzen-der-psychologie/feed/index.html 0
Logisches Denken, fehleranfälliges Denken ../../../kurs-6/logisches-denken-fehleranfaelliges-denken/index.html ../../../kurs-6/logisches-denken-fehleranfaelliges-denken/index.html Sat, 15 Aug 2026 16:16:57 +0000 ../../../index.html Kill your darlings! – Der Imperativ, seine Liebsten buchstäblich zu töten. 

Fragt sich nur, was mit den „Darlings” und dem „Killen” gemeint ist. Ein „Darling” ist in unserem Kontext eine unhinterfragte Alltagsüberzeugung. Das „Killen”, also das Töten, beschreibt im Kurskontext schlicht das Hinterfragen der Letzteren. Und da man bekannter Weise sich selbst am liebsten, sozusagen der eigene “Darling”, ist, werden auch wir selbst nicht nur zum Subjekt, sondern auch zum Objekt  des Hinterfragens. Zu diesem Zweck bedienen wir uns der Psychologie, der Philosophie und damit allem voran unseres Denkapparats. 
Nach der Beschäftigung damit bedarf es auch immer einer Reflexion dessen, was wir überhaupt gerade tun – wir bewegen uns also auch auf der Meta-Ebene. Denn was, wenn das Töten unserer Darlings selbst zu einem ebenso unhinterfragten Darling wird? Gemäß unseres Mottos folgt daraus, dass wir diese Darlings dann auch töten müssten…

Wie können wir nun diese Darlings und unser „Killen” konzeptionell erfassen?

Als Annäherung an diese Frage eignet sich das in der Stochastik diskutierte Ziegenproblem
Ein Kandidat wird von einem Moderator vor drei geschlossene Türen gestellt; hinter einer befindet sich ein Preis und hinter den beiden anderen Nieten (hier die Ziegen). Der Kandidat trifft eine Wahl und wird im Folgenden vor eine weitere gestellt: Der Moderator öffnet von den verbleibenden zwei Türen eine, hinter der sich eine Ziege befindet und räumt nun die Möglichkeit des Wechsels der eingangs gewählten Tür ein.
Das Ziegenproblem ist ein gutes Beispiel für Trugschlüsse im menschlichen Denken, denn viele Menschen treffen die für sie suboptimale Entscheidung: Ein Wechsel erhöht die Gewinnwahrscheinlichkeit von ⅓ auf ⅔. Dem Handeln der meisten Menschen liegt jedoch die Annahme einer Gewinnwahrscheinlichkeit von ½ beim Ziegenproblem zugrunde. Sie wechseln also nicht, weil sie denken, dass es keinen Unterschied macht.

Auch der Cognitive Reflection Test, bei dem Aufgaben beantwortet werden, die eine instinktiv falsche Antwort provozieren, ließ uns verstehen, weshalb wir Denkfehler begehen: Wenn wir recht schnell und instinktiv über etwas nachdenken, verfallen wir in bestimmte Muster, die uns dann manchmal in die Irre führen. 

Nach dem Psychologen Daniel Kahneman zeigt dies das System I unseres Denkens. Das Pendant bildet das System II, bei dem wir abstrahieren und tiefer nachdenken – dafür ist es langsamer und mit mehr Anstrengung verbunden.
Ein Bild des maschinellen, immer gleich guten bzw. schlechten menschlichen Denkens kann man also verwerfen. Wir sollten stattdessen untersuchen, wo unsere Grenzen liegen. Die Systemfehler unseres Denkens zeigen sich in den kognitiven Verzerrungen.

Die „Conjunction (= Verknüpfung) Fallacy (= Täuschung)” zeigt, dass wir Plausibilität mit Wahrscheinlichkeit verwechseln. Den Versuchspersonen wird die Aufgabe gestellt, die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten bestimmter Ereignisse einzuschätzen. Dabei wird jedes Ereignis in zwei Abwandlungen vorgestellt: einmal in abstrakter Form, einmal in durch Kontextualisierung näher spezifizierter Form. Dabei tritt das abstrakte Ereignis immer auch dann ein, wenn das inhaltlich ähnliche, spezielle Ereignis eintritt, nicht jedoch umgekehrt. Daraus folgt, dass es für das abstrakte Ereignis immer mehr Realisierungsmöglichkeiten gibt, als für das spezielle Ereignis und darum die Wahrscheinlichkeit für sein Eintreten immer größer ist als die Eintrittswahrscheinlichkeit des Anderen. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit für jedes Ereignis dabei tatsächlich ist, spielt für den Versuch keine Rolle, vielmehr ist die Differenz zwischen den Wahrscheinlichkeiten der jeweils inhaltlich ähnlichen Ereignisse betrachtenswert.

Ein Beispiel:
Das Eintreten des Ereignisses „Eine Frau wird Präsidentin von Russland” wird von den Versuchspersonen als unwahrscheinlicher eingeschätzt, als das Eintreten des Ereignisses „Vladimir Putins Frau übernimmt offiziell das Amt des Präsidenten Russlands als Scheinpräsidentin”. Dabei verhält es sich jedoch genau umgekehrt: Das Eintreten des Ereignisses, dass eine Frau zur Präsidentin wird, ist wahrscheinlicher, als das Eintreten des Ereignisses, dass speziell Vladimir Putins Gattin zur Präsidentin wird.
Das Eintreten des kontextreicheren, deskriptiveren Ereignisses ist für die Versuchspersonen jedoch vorstellbarer und dadurch nachvollziehbarer beziehungsweise glaubhafter als das Eintreten des abstrakten Ereignisses. Dadurch schließen die Versuchspersonen fälschlicherweise auf eine höhere Eintrittswahrscheinlichkeit des speziellen Ereignisses.

Es lässt sich folgern: Um Sachverhalte abstrakt logisch zu betrachten, muss man sich von der Betrachtung von Plausibilität und Semantik frei machen.

Um weitere wichtige kognitive Verzerrungen, biases – welche oft Synonym zu fallacies verwendet werden –, zu verstehen, bietet sich die Forschung des Begründers der Denkpsychologie, Peter Wason, an. Er konzipierte dazu folgenden Versuch: Ein Zahlentripel (z.B. 2;4;6) wird nach einer bestimmten Regel aufgestellt. Die Versuchsperson hat die Aufgabe, durch das Aufstellen weiterer Triplets auf die Regel zu schließen. Zu diesem Zweck bewertet der Experimentator das neue Triplet im Hinblick darauf, ob die Regel zutrifft oder nicht.
Der effizienteste Vorgang ist hier die Falsifizierung bisheriger Vermutungen, bis eine dieser standhält. Bei der experimentellen Durchführung fällt jedoch auf, dass Teilnehmer diesen (zielführenderen) Weg nur ungern gehen. Sie suchen stattdessen Zahlentriplets, die ihren bisherigen Annahmen entsprechen.

Diesem Phänomen liegt der der Confirmation Bias zugrunde. Damit ist eine Täuschung gemeint, bei der Menschen dazu neigen, Theorien nicht zu falsifizieren, sondern Bestätigungen für sie zu finden. Wir halten an unseren bisherigen Überzeugungen fest, und wenn ein neuer Beleg nicht dazu passt, adaptieren wir unsere Theorie, damit sie wieder passt, oder erklären diesen Beleg für ungültig. Dieses Phänomen tritt – wie man sich vorstellen kann – nicht nur im wissenschaftlichen Arbeiten auf, sondern steht einer unbefangenen Wirklichkeitsbetrachtung auch im Alltag im Weg.

Und hier kommen wir zum anderen Teil unseres Kurses, der Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit. Und hierfür haben wir eben schon eine Methode festgehalten: die Falsifikation. Wir müssen unsere Überzeugungen auf den Prüfstand stellen, anstatt nur Belege zu suchen; und genau das muss auch in der Wissenschaft geschehen – durch Falsifizierbarkeit.

Lange bevor Karl Popper im 20. Jahrhundert die Methode der Falsifikation beschrieb, entstand aus den Ausarbeitungen von Wilhelm von Ockham ein anderes Kriterium zur Bewertung einer Theorie: Wenn ich für eine Gegebenheit zwei zutreffende Theorien habe, ist diejenige besser, die sparsamer mit Entitäten, die zur Aufstellung der Theorie notwendig sind, umgeht. Man setzt somit Ockhams Rasiermesser an und kürzt seine Theorie auf das Wesentliche.

In einem weiteren, noch bekannteren Versuch, konnte Peter Wason einen weiteren kognitiven Effekt demonstrieren. Bei der Wason Selection Task wird man vor folgende Aufgabe gestellt: Der Versuchsperson werden vier Karten vorgelegt. Sie soll durch Umdrehen (Auswählen) von Karten folgende Regel überprüfen: Wenn ein Vokal auf der Vorderseite zu sehen ist, dann ist eine gerade Zahl auf der Rückseite (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Wason Selection Task

Richtig wäre es, die Karten E und 7 umzudrehen. Dies lässt sich mit formaler Logik erklären. Mit dem Umdrehen der E-Karte verfährt man gemäß dem modus ponens: (A→B),A⇒B. Für die Regel muss daher geprüft werden, ob sich auf der anderen Seite der E-Karte tatsächlich eine gerade Zahl befindet. Eine ungerade Zahl würde die Regel falsifizieren. Das Umdrehen der 7-Karte verfährt gemäß dem modus tollens: (A→B),¬B⇒¬A. Da 7 keine gerade Zahl ist, darf sich auf ihrer Kartenrückseite kein Vokal befinden. Ein Vokal hinter der 7 würde die Regel falsifizieren. Typischerweise wählen Versuchspersonen dagegen häufig E und 4, obwohl es für die Überprüfung der Regel irrelevant ist, was auf der Rückseite der 4-Karte ist.

Auch hier kann man die zuvor besprochene Verzerrung feststellen, denn formale Logik tritt bei einer abstrakten Aufgabe zur Überprüfung einer Theorie häufiger hinter den Confirmation Bias (Versuch, die Regel durch Wahl der E-Karte zu bestätigen).

Nun kann man die Wason Selection Task verändern: Bei einer Aufgabe mit einem gesellschaftlichen bzw. alltäglichen Bezug (siehe Abb. 2) kommen die Versuchspersonen häufiger zum richtigen Ergebnis – und das schneller. Wichtig ist für diesen Effekt aber, dass die Regeln mit bekannten Beispielen im Alltag übereinstimmen müssen. Wenn also Cola-Konsum z.B. erst ab 18 erlaubt wäre, fallen wir zurück auf unser Verhalten im abstrakten Eingangsbeispiel.

Abb. 2: Wason Selecation Task mit lebensweltlicher Situation

Wir tun uns schwer mit abstraktem (logischem) Denken; durch Vertrautheit mit bestimmten Mustern können wir Abkürzungen nehmen. Diese Abkürzungen bringen uns manchmal zum richtigen Schluss. In den Fällen, in denen sie das nicht tun, unterliegen wir Urteilsfehlern.

Nun haben wir uns bereits mit menschlichem Denken und Verhalten befasst, aber nicht damit, wie wir dieses – wissenschaftlich – erfassen können. Aus diesem Grund nun die zuvor versprochene Einführung in die Psychologie:

Den Einstieg bildete die Betrachtung verschiedener optischer Täuschungen, die unsere Wahrnehmung durch ein Spiel mit Farben, Kontrasten und Bewegung als verzerrt zeigen.

Nach dem Bearbeiten von Beispielen dazu durch Präsentationen in Gruppen, konnten wir im Nachhinein reflektieren, in welcher Teildisziplin der Psychologie die Untersuchung dieser Phänomene zu verorten ist: In der kognitiven / allgemeinen Psychologie, die sich unterteilen lässt in

  • I. Lernen(im Sinne von Verhaltensänderung), Emotion, Motivation
  • II. Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken, Sprache

Das Feld der Psychologie umfasst im Allgemeinen:

  • Methodik
    • Statistik
    • Methodenlehre (Aufbau eines Versuchs)
    • Diagnostik (Klassifikation von Abweichungen)
    • Intervention
  • Grundlagen
    • Allgemeine Psychologie (s.o.)
    • Biologische Psychologie
    • Sozialpsychologie
    • Persönlichkeitspsychologie
    • Entwicklungspsychologie
  • Anwendung
    • Klinische Psychologie
    • ABO (Arbeits-, Betriebs-, und Organisationspsychologie)
    • Pädagogische Psychologie
    • Forensische Psychologie

Von diesem Ist-Zustand der Teilbereiche ausgehend haben wir versucht, eine Definition von Psychologie zu erarbeiten. In langen Diskussion haben wir besonders dazu gestritten, was Wissenschaft bedeutet und ob nun Denken, Verhalten, Erleben oder alles Kernbereich der Psychologie sind. 

Für die Weiterarbeit verwendeten wir folgende Definition: „Psychologie ist die Wissenschaft, die sich mit dem Erleben und Verhalten (menschlicher) Individuen beschäftigt.” Es kann keine Musterlösung geben, wenngleich dies vieles unserer Herangehensweisen vereint.

]]>
../../../kurs-6/logisches-denken-fehleranfaelliges-denken/feed/index.html 0