Julia Joanna Palica – Aka Journal ../../../index.html Deutsche SchülerAkademie Schwäbisch Gmünd 2026-1 Sat, 29 Aug 2026 16:33:03 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://doku1.schuelerakademien.de/wp-content/uploads/2026/07/favicon-150x150.png Julia Joanna Palica – Aka Journal ../../../index.html 32 32 Das Konstruieren einer Wirklichkeit ../../../kurs-6/das-konstruieren-einer-wirklichkeit/index.html ../../../kurs-6/das-konstruieren-einer-wirklichkeit/index.html Fri, 21 Aug 2026 09:31:23 +0000 ../../../index.html Wie entsteht das, was wir als Welt erleben? Heinz von Foerster legt dar, dass aus konstruktivistischer Sicht die Wirklichkeit nicht passiv abgebildet, sondern aktiv durch den Erkennenden hervorgebracht wird (vgl. Von Foerster, 1983). „Wechselworte“ war ein Versuch, bei dem Probandinnen und Probanden in ständiger Wiederholung das Wort „cogitate“ vorgespielt wurde. Nach vergangener Zeit nahmen sie andere Wörter wahr, die gar nicht mehr dem eigentlichen Wort entsprachen. Übertragen können wir uns also selbst bei einer einfachen Tätigkeit, wie dem Erkennen desselben Wortes, nicht auf unsere Wahrnehmung verlassen.

Ein weiterer Aspekt dabei ist die sensorische Substitution. Beeinträchtigte bzw. defekte Sinneszellen können mittlerweile durch artifizielle ersetzt werden, bspw. bei Chochlea-Implantaten. Reize werden dabei über einen elektrischen Impuls übermittelt. Nach einiger Zeit lernen damit ausgestattete Personen völlig unbewusst, die neuen Reize zu verarbeiten: Trotz geschädigtem Gehör nehmen sie allmählich wieder Töne und Geräusche wahr. 

Um eine Wirklichkeit konstruieren zu können, arbeitet unser Gehirn rekursiv, indem alle Wahrnehmungen auf den Schlüssen von vorherigen basieren. Außerdem errechnen wir uns oft die Wirklichkeit, indem wir versuchen, Regeln zu erkennen, die wir dann zu einem Konzept der Wirklichkeit „zusammenbasteln“. Dadurch errechnen wir uns eine Beschreibung der Wirklichkeit, statt der Wirklichkeit selbst. Die Funktionsweise unserer Nervenzellen und Synapsen selbst belegt, dass jede Reizübermittlung einen leichten Einfluss auf die folgende hat. Dieses theoretische Wissen haben wir anschließend in einem Praxisbeispiel überprüft. So versuchten wir selbst in einem Rästel, Regeln in Bildern zu erkennen, um auf die nächsten Bilder schließen zu können. Darüber hinaus wurde auch noch die Komplexität der menschlichen Wahrnehmung thematisiert. Wenn man Hör- und Seheindrücke vergleicht, merkt man schnell, dass unsere Eindrücke ohne eine Abstraktion nicht zusammengeführt werden. Dabei betrachteten wir neuronale Prozesse als ein selbstregelndes System, was statt einer objektiven Feststellung die Bedeutungszuschreibung zum Ziel hat.

Fazit war, dass wir unsere Realität aus unserer Wirklichkeit konstruieren. Nur das eigene Bewusstsein ist gewiss, über alles andere können wir uns nicht sicher sein. Der Solipsismus (solus=allein, ipse=selbst) beschreibt diese Vorstellung auf die Spitze getrieben. Obwohl dies auf den ersten Blick wie eine plausible Schlussfolgerung auf den Konstruktivismus wirkt, konnten wir uns im Kurs jedoch nicht überzeugen, dass es außer unserer konstruierten Wirklichkeit keine Realität gibt.

]]>
../../../kurs-6/das-konstruieren-einer-wirklichkeit/feed/index.html 0
Gesund in kranker Umgebung ../../../kurs-6/gesund-in-kranker-umgebung/index.html ../../../kurs-6/gesund-in-kranker-umgebung/index.html Fri, 21 Aug 2026 09:29:49 +0000 ../../../index.html Was bedeutet es, psychisch krank zu sein? Diese Frage versucht die Studie “Gesund in kranker Umgebung” von David Rosenhan zu psychiatrischen Diagnosen zu beantworten (vgl. Rosenhan, 1983). “Psychische Störung” bezeichnet ein Muster der Ausprägung der Psyche, die Leidensdruck verursacht und eine beschränkte Alltagsbewältigung mit sich bringt. 

Für die Studie haben sich psychisch gesunde Menschen in psychiatrischen Einrichtungen mit den vorgespielten Symptomen – Stimmen zu hören-, vorgestellt und einweisen lassen. In der Anstalt selbst sollten sie die Psychiater jedoch nicht weiter täuschen, sondern rückmelden, dass die Symptome aufgehört haben. Trotzdem kamen die Psychiater bei der Mehrzahl der Scheinpatienten zu dem Schluss, dass sie psychisch krank waren, ließen sie von 7 bis 50 Tagen in der Klinik und diagnostizierten einige mit schweren Krankheiten wie Schizophrenie und Depression. Für Rosenhan galt dies als objektive Grundlage dafür, dass es für klinische Psychologie und die Kategorisierung in psychisch krank und gesund keine objektive, rationale Grundlage gibt. Darüber hinaus bezeichnete er die Maßnahmen in psychiatrischen Kliniken als persönlichkeitszerstörend.

Seine Schlussfolgerung war, dass die Situation das Verhalten und dessen Interpretation stark beeinflusst und deshalb Verhalten, das außerhalb psychiatrischer Anstalten als unauffällig gelten würde, innerhalb ebendieser Anstalten mitunter als krankhaft interpretiert wird bzw. sogar als Beleg der psychischen Störung angesehen würde. Darüber hinaus würden sich die Meinungen und Beobachtungen der Pflegekräfte und Psychiater sehr stark an bisherigen Diagnosen stützen und somit sei die einmal getroffene Diagnose einer psychischen Störung in der Folge schwer widerrufbar.

Zwischenzeitlich ist die Validität von Rosenhans Studie verschiedentlich angezweifelt worden. So wurden etwa in seinem Nachlass mehrere Indizien für manipulierte Ergebnisse und inkorrekte Schlüsse gefunden.

Es bleibt also offen, inwiefern die Behandlung in Kliniken generell abzulehnen ist. Plausibel ist, dass die Therapie grundsätzlich schnell an ihre Grenzen stößt, da Psychiater stark auf introspektive Feststellungen der Patienten angewiesen sind. Jedoch ist zu beachten, dass sich seit Rosenhans Studie in den 1970ern in der Therapie und klinischen Psychologie viel verändert hat und weiterhin verändert wird.

]]>
../../../kurs-6/gesund-in-kranker-umgebung/feed/index.html 0
Verfügbarkeitsheuristik ../../../kurs-6/verfuegbarkeitsheuristik/index.html ../../../kurs-6/verfuegbarkeitsheuristik/index.html Fri, 21 Aug 2026 09:29:31 +0000 ../../../index.html Verfügbarkeitsheuristik ist eine weitere kognitive Verzerrung, die uns im Alltag begleitet. Heuristik (aus dem Griechischen: entdecken) bezeichnet dabei den Vorgang, mit begrenztem Wissen auf andere Sachverhalte zu schließen. Das Phänomen bezieht sich darauf, dass Menschen Wahrscheinlichkeiten für die Häufigkeiten bestimmter Ereignisse anhand der Leichtigkeit bestimmen, mit der einem Beispiele dafür einfallen. 

Abb. 2: Das Modell zur Verfügbarkeits- und Affektheuristik der Referatsgruppe

In einem Experiment konnten wir belegen, dass uns in manchen Situationen weniger Belege stärker überzeugen können. Das steht entgegen der Annahme, dass wir uns in je einer bestimmten Eigenschaft besser einschätzen, je mehr Belege uns dafür einfallen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn wir von jemandem aufgefordert werden, konkrete Belege zu finden und ab einer bestimmten Anzahl Schwierigkeiten haben, uns an welche zu erinnern. Diese Schwierigkeit wird folglich falsch interpretiert, als Mangel an Belegen und dementsprechend auch Mangel an einer bestimmten Eigenschaft. Wenn wir Informationen in Form von Beispielen abrufen, beeinflussen mehrere Faktoren, wie gut uns dies gelingt, sodass wir die eigentliche Frage: Wie wahrscheinlich ist etwas? durch die Vereinfachung Wie leicht fallen mir Beispiele dafür ein? ersetzen. Kategorien, die beeinflussen, wie gut das gelingt, sind die Verfügbarkeit (retrievability), wie effektiv wir suchen können (searchability), unser Vorstellungsvermögen (imaginability) und die Verknüpfbarkeit beziehungsweise Plausibilität (connectability). 

Affektheuristik ersetzt die Frage: Wie wahrscheinlich ist etwas? durch die Frage: Was halte ich von etwas? Diese Frage versuchen wir zu beantworten, indem wir uns mit den Emotionen auseinandersetzen, die wir mit dem Thema verbinden. Besonders relevant sind dabei alte Muster und neuer Input, die wir aus Gewohnheit verwenden, ohne zu berücksichtigen, wie relevant und übertragbar sie für diese Situation sind.

Verfügbarkeitsheuristik sehen wir zwar als kognitive Verzerrung an, die uns jedoch auch bei der Alltagsbewältigung helfen kann, da die Plausibilität, die wir etwas zuordnen, nicht unbegründet ist. Die Verfügbarkeitsheuristik ist ein Phänomen, dass bei der Steigerung zur Verfügbarkeitskaskade und unter Zeitdruck unbewusst unsere Denkweise noch stärker beeinflusst. Dies demonstriert ebenfalls ihre Problematik und im Grunde auch ihre Unumgehbarkeit.

]]>
../../../kurs-6/verfuegbarkeitsheuristik/feed/index.html 0