Benjamin Bidlingmaier – Aka Journal ../../../index.html Deutsche SchülerAkademie Schwäbisch Gmünd 2026-1 Mon, 31 Aug 2026 16:33:11 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://doku1.schuelerakademien.de/wp-content/uploads/2026/07/favicon-150x150.png Benjamin Bidlingmaier – Aka Journal ../../../index.html 32 32 Klimamythos: „Die Demokratie muss sich für das Problem die Zeit nehmen, die sie eben braucht.“  ../../../kurs-2/klimamythos-die-demokratie-muss-sich-fuer-das-problem-die-zeit-nehmen-die-sie-eben-braucht/index.html ../../../kurs-2/klimamythos-die-demokratie-muss-sich-fuer-das-problem-die-zeit-nehmen-die-sie-eben-braucht/index.html Thu, 27 Aug 2026 21:00:00 +0000 ../../../index.html Schon die bisherige Erderwärmung von etwa einem Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau hat zu schwerwiegenden ökologischen und gesellschaftlichen Folgen geführt. Extreme Hitzewellen, Dürren, Stürme und Starkregenereignisse sind die Folge. [1] 2023 lag die globale Durchschnitts-temperatur erstmals circa 1,5 Grad Celsius über dem Mittelwert des vorindustriellen Zeitalters. [2] Im Laufe der Weltgeschichte schwankten die klimatischen Bedingungen zwar immer wieder, doch die aktuelle Entwicklung ist menschengemacht und, sollte sie nicht aufgehalten werden, irreversibel. [3] Folglich ist es problematisch, dass die Politik konkrete Lösungsmaßnahmen hinauszögert. 

Werden bestimmte Temperatur-Schwellenwerte, so genannte “Kippelemente”, überschritten, so können Teilsysteme des Erdklimas abrupt und unumkehrbar in einen neuen Zustand umschlagen. [4] Bereits 1972 warnte der Club Of Rome in seinem Bericht “The Limits to Growth” vor den klimatischen Folgen, welche eintreten, sollten wir das globale Wirtschaftswachstum unverändert emissionsintensiv fortsetzen. [5] Indessen wird in der Politik nach wie vor diskutiert ob und wann Maßnahmen gegen den Klimawandel ergriffen werden. Teils kritisieren Umweltverbände wie der WWF oder Greenpeace die bisherige Klima- und Energiepolitik der Bundesregierung als rückschrittig oder stellen den langsamen Ausbau erneuerbarer Energien in Frage. [6] Auch werden durch die zunehmende Hitze und Trockenheit Waldbrände begünstigt, die ein dringendes Eingreifen der Politik zu erkennen geben. Es ist daher nicht vertretbar, dass sich die Politik uneingeschränkt Zeit nimmt, um den Klimawandel zu begrenzen. Zu Teilen ist die Gesellschaft längst bereit für notwendige Veränderungen. Regierung und Gesetzgeber dürfen nicht länger bloß reagieren, sondern müssen den Wandel aktiv und vorrausschauend gestalten. 

Die Erderwärmung schreitet weiterhin rasch voran, weshalb ein konsequentes Handeln der Politik nicht weiter hinausgezögert werden darf.  Versäumen wir es jetzt zu handeln, wird dies irreversible Folgen nach sich ziehen. 

[1] „Folgen des Klimawandels“, Climate Action. [Online]. Verfügbar unter: https://climate.ec.europa.eu/climate-change-explained/consequences-climate-change_de. [Zugegriffen: 27.08.2026]. 
[2] „Klimawandel und Transformation“, Mpg.de. [Online]. Verfügbar unter: https://www.mpg.de/klima. [Zugegriffen: 27.08.2026]. 
[3] W. der Physik, „Klimaforschung“, Weltderphysik.de. [Online]. Verfügbar unter: https://www.weltderphysik.de/gebiet/erde/atmosphaere/klimaforschung/. [Zugegriffen: 27.08.2026]. 
[4] „Kippelemente – Großrisiken im Erdsystem“, Potsdam Institute for Climate Impact Research. [Online]. Verfügbar unter: https://www.pik-potsdam.de/de/produkte/infothek/kippelemente. [Zugegriffen: 27.08.2026]. 
[5] D. H. Meadows, The limits to growth A report for the club of Rome’s project on the predicament of mankind. Strarfield South, Australien: Universe Books, 1974. 
[6] V. Harzer und K. K. N.-A. Kna, „Klimaschutz: Umweltverbände kritisieren Klimapolitik der Bundesregierung“, DIE ZEIT, 22-Aug-2026. [Online]. Verfügbar unter: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-08/klimapolitik-bundesregierung-wwf-vanessa-klocke-kabinettsklausur. [Zugegriffen: 27.08.2026]. 

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Interview mit Dr. Jun-Ho Yum: Perowskit-Solarzellen und DSSCs ../../../kurs-2/interview-mit-dr-jun-ho-yum/index.html ../../../kurs-2/interview-mit-dr-jun-ho-yum/index.html Thu, 27 Aug 2026 19:00:50 +0000 ../../../index.html EINLEITUNG 

Der Interviewpartner, Dr. Jun-Ho Yum, forscht an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) in der Schweiz zur Entwicklung und Verbesserung von Solarzellen. Spezifisch beschäftigt er sich mit DSSCs (Dye Sensitized Solar Cells), von denen sich in Zukunft eine höhere Effizienz erhofft. Des Weiteren forscht er an Perowskit-Solarzellen, die in Zukunft eine Alternative oder Ergänzung zur gängigen Silizium-Solarzelle darstellen könnten.  

Das Ziel des Interviews ist ein grundlegendes Verständnis über die Themenbereiche des Forschers zu erlangen. 

INTERVIEW 

Zunächst lässt sich festhalten, dass für die Stromerzeugung bewegungsfähige Elektronen benötigt werden, die als Ladungsträger fungieren. Bei der Solarzelle befinden sie sich zunächst im Valenzband des Halbleiters. Zwischen dem Valenzband und dem Leitungsband liegt die sogenannte Bandlücke. Nimmt ein Elektron genügend Energie auf, z. B. durch Lichtstrahlung, kann es die Bandlücke überwinden und ins Leitungsband gelangen. Dort kann sich das Elektron frei bewegen und es fließt elektrischer Strom. Dieser Vorgang wird in Solarzellen genutzt. 

Klassische Solarzellen bestehen meistens aus Silizium. Das liegt daran, dass Silizium eine geeignete Bandlücke besitzt, um einen Teil des Sonnenlichts zur Stromerzeugung zu nutzen. Außerdem sind Silizium-Solarzellen sehr gut erforscht und langzeitstabil. 

Das eine Fachgebiet von Dr. Yum sind die Dye Sensitized Solar Cells. Diese Farbstoffsolarzellen nutzen Titanoxid als Halbleiter. TiO₂ besitzt eine relativ große Bandlücke von 3,2 – 3,3 Elektronenvolt [2]. Zusätzlich wird ein Farbstoff verwendet, um mehr vom Sonnenspektrum nutzbar zu machen als bei der klassischen Solarzelle . Wird das Licht vom Farbstoff absorbiert, so wird ein Elektron angeregt und vom Titandioxid (TiO₂) weiter transportiert. Problematisch ist die Rekombination, bei der das angeregte Elektron wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren kann. Der spezielle Aufbau der Solarzelle sorgt deshalb dafür, dass die Ladungen möglichst in die gewünschte Richtung transportiert werden. 

Für die Auswahl der Farbstoffe ist zunächst wichtig zu verstehen, dass unterschiedliche Farbstoffmoleküle unterschiedliche Bereiche des Sonnenspektrums absorbieren. Um den Wirkungsgrad zu maximieren, bedarf es deshalb eines Farbstoffes mit hoher Lichtabsorption. Roter Farbstoff (N719) absorbiert vor allem Licht im UV- & im sichtbaren Bereich und ist in der Herstellung etabliert. Am geeignetsten ist schwarze Farbe (N749), da sie fast das ganze Sonnenspekrum absorbiert. Allerdings ist die schwarze Farbe in der Herstellung etwa zwei bis vier Mal so teuer.  
Eine weitere wichtige Eigenschaft des Fabstoffs ist, dass er gut an der Oberfläche des Halbleiters binden kann. 

Neben den schon erwähnten Farbstoffsolarzellen, forscht Dr. Yum auch an Perowskit-Solarzellen. Diese bestehen unter anderem aus einer Schicht des Minerals Calciumtitanat (CaTiO₃), in anderen Worten: dem Perowskit-Kristall. Mit der Entwicklung sehr dünner Perowskit-Schichten gab es vor einigen Jahren einen starke Zunahme der Forschung. Dabei stellte sich heraus, dass Perowskit ein breites Lichtspektrum absorbiert. Dennoch ist wichtig zu erwähnen, dass kein einzelner Halbleiter das gesamte Sonnenspektrum optimal nutzen kann. Deshalb wird versucht, verschiedene Halbleiter miteinander zu kombinieren in Form von sogenannten Tandem-Solarzellen. 

Bei einer Tandem-Solarzelle werden mehrere Solarzellen bzw. Halbleiterschichten mit unterschiedlichen Bandlücken kombiniert, beispielsweise Perowskit und Silizium. Die obere Schicht absorbiert Licht bestimmter Wellenlängen. Das nicht absorbierte Licht gelangt somit zur nächsten Schicht, die einen anderen Bereich des Sonnenspektrums nutzt. Durch die Absorbtion eines breiteren Spektrums ergibt sich auch ein höherer Wirkungsgrad, der bei circa 40% liegt. Im Vergleich dazu haben industriell gefertigte Solarzellen nur einen Wirkungsgrad von 17-22% [1]. 

Die größten Probleme der Perowskit-Solarzellen sind die Stabilität und die Anfälligkeit für Feuchtigkeit, da das Material durch Wasser beschädigt werden kann. Sie verlieren innerhalb von ca. 40 Tagen 20% an Absorbtion wohingegen Silizium-Solarzllen maximal 0,5% Effizienz im Jahr verlieren [3]. Ein weiterer Aspekt ist die Toxizität, da viele dieser Solarzellen zur Verbesserung des Wirkungsgrades Blei enthalten, das nicht in die Umwelt gelangen sollte. 

FAZIT  

Das Experteninterview mit Dr. Jun-Ho Yum lieferte interessante und relevante Einblicke in die praktische Forschung an modernen Typen von Solarzellen und ermöglichte eine Erweiterung des theoretischen Horizonts. Sowohl die DSSCs als auch die Perowskit-Solarzellen haben großes Potential in Zukunft die Effizienz der Solarstromerzeugung zu steigern. Im Fokus der zukünftigen Entwicklungen könnten Tandem-Zellen stehen, da sie sich durch einen erhöhten Wirkungsgrad auszeichnen. Entscheidend für die effektive Nutzung sind hierbei Lebensdauer, Stabilität, Kosten, Umweltverträglichkeit und industrielle Herstellbarkeit. Deshalb wird weiter geforscht, um Schwachstellen in diesen Bereichen zu beheben und neue Solarzellen zur Marktreife zu bringen. 

QUELLEN 

  1. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Dreifachsolarzellen erreichen Rekordwirkungsgrad, URL: https://www.energieforschung.de/de/aktuelles/projekteinblicke/2021/dreifachsolarzellen-erreichen-rekordwirkungsgrad, letzter Zugriff: 27.08.2026 
  1. López, R., Gómez, R. Band-gap energy estimation from diffuse reflectance measurements on sol–gel and commercial TiO2: a comparative study. J Sol-Gel Sci Technol 61, 1–7 (2012). https://doi.org/10.1007/s10971-011-2582-9, letzter Zugriff: 27.08.2026 
  1. Zhao, Y., Heumueller, T., Zhang, J. et al. A bilayer conducting polymer structure for planar perovskite solar cells with over 1,400 hours operational stability at elevated temperatures. Nat Energy 7, 144–152 (2022). https://doi.org/10.1038/s41560-021-00953-z, letzter Zugriff: 27.08.2026 

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Interview mit Paul Kant: Photoelektrolyse wirtschaftlich gedacht  ../../../kurs-2/photoelektrolyse-wirtschaftlich-gedacht/index.html ../../../kurs-2/photoelektrolyse-wirtschaftlich-gedacht/index.html Thu, 27 Aug 2026 13:00:00 +0000 ../../../index.html

Vorwort 

Paul Kant ist Gründer des Start-ups „Photreon“ und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Karlsruhe Institute of Technology (KIT). In seinem Start-up entwickeln Dr. Kant und seine Kollegen einen Photoelektrolyseur, welcher eine Kombination aus Photovoltaik und Elektrolyseur darstellt. Der in der Solarzelle gewonnene Strom wird direkt in der Wasserstoffproduktion umgesetzt. In unserem Interview hatten wir die Möglichkeit, ihn zu seinem Start-up und seiner Forschung zu befragen. 

Interview

Das Funktionsprinzip der Photoelektrolyse lautet wie folgt: Licht erzeugt im Halbleiter Elektronen-Loch-Paare, die an Ko-Katalysatoren die Wasserspaltung antreiben. Die Partikel sind im Volumen suspendiert (keine Beschichtung), wodurch deutlich weniger Halbleiter- und Edelmetallmaterial benötigt wird, als es bei der Photovoltaikanlage der Fall wäre. Bei diesem Prozess werden sowohl Sauerstoff als auch Wasserstoff produziert. Der Wasserstoff ist das erwünschte Produkt und Sauerstoff wird als Beiprodukt in die Atmosphäre abgegeben. 

Entstanden ist dieses Start-up aus einem Forschungsprojekt am Institut für Mikrostrukturtechnik. Aktuell befindet es sich im Übergang vom Labor in die Praxis. Erstmals wurde ein 1-m²-Prototyp erfolgreich unter echtem Sonnenlicht getestet. Angestrebt wird ein kommerzielles Produkt für den Anfang der 2030er-Jahre. Der Zielmarkt dafür ist rein industriell, da bei der privaten Produktion verschiedene Sicherheits- und Kostenhürden auftreten. Die zwei Hauptabnehmer für das Produkt wären die Sunbelt-Regionen (z. B. Oman, Marokko etc.), in denen sehr große Flächen verfügbar sind und Wasserstoff billig produziert werden kann, sowie Zentraleuropa. Dort herrscht eine höhere Zahlungsbereitschaft. 

Wirtschaftlich konkurrenzfähig sind die Photoelektrolyseure vor allem aufgrund ihrer geringen Wasserstoff-Entstehungskosten. Das liegt vor allem an dem kostengünstigen, patentierten Gesamtreaktorsystem: Anstatt auf komplexe Halbleiter-Wafer zu setzen, optimiert Photreon die Skalierbarkeit in der Fläche bei gleichzeitiger Minimierung des Ressourcenbedarfs. Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus der Tatsache, dass das System anders als herkömmliche Elektrolyseure auch mit herkömmlichem Leitungswasser arbeiten kann, was zusätzliche Arbeitsschritte spart. 

Die Paneele bestehen aus Kunststoff, was sie leicht und günstig in der Massenproduktion macht. Diese Technologie ist vielversprechend, da der CO₂-Fußabdruck vergleichbar mit oder sogar geringer als bei der herkömmlichen Elektrolyse ist. 

Neben Photreon gibt es auch noch andere nationale sowie internationale Start-Ups, die sich mit der Photoelektrolyse beschäftigen und in ständigen Austausch miteinander stehen. 

Fazit

Paul Kant verfolgt mit seinem Unternehmen Photreon einen neuartigen Ansatz zur Herstellung von grünem Wasserstoff, der Photovoltaik und Elektrolyseur miteinander kombiniert. Dadurch lässt sich Wasserstoff lokal produzieren und es wird weniger Material benötigt. Zwar ist das Produkt noch nicht kommerziell verkäuflich, aber laut Paul Kants Prognose sollte dies bereits Anfang der 2030er Jahre der Fall sein. 

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