Anna-Lena Renze – Aka Journal ../../../index.html Deutsche SchülerAkademie Schwäbisch Gmünd 2026-1 Thu, 27 Aug 2026 21:56:41 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://doku1.schuelerakademien.de/wp-content/uploads/2026/07/favicon-150x150.png Anna-Lena Renze – Aka Journal ../../../index.html 32 32 Wie entscheidest du? – Das Spiel und rationale Entscheidungen ../../../kurs-1/wie-entscheidest-du-das-spiel-und-rationale-entscheidungen/index.html ../../../kurs-1/wie-entscheidest-du-das-spiel-und-rationale-entscheidungen/index.html Thu, 27 Aug 2026 14:00:00 +0000 ../../../index.html Wie funktioniert ein Spiel?

Die mathematische Auffassung eines Spiels sich bezieht lediglich auf die Entscheidungen einzelner Personen. Dabei sei das Ziel eines jeden Spielenden, dieses Konzeptes, eine möglichst große Optimierung des möglichen erzielbaren Gewinns (Prof. Dr. Walz, G.).

Insgesamt setzt sich ein Spiel aus den Spielenden, die als handelnde Personen fungieren, den Strategiemengen, als auch den Zufallszügen, sowie den Informationsständen der einzelnen Parteien und den Auszahlungsmengen zusammen (Scholz, D., 2007, S. 6).

Die Ein-Personen-Spiele, welche eine Handlungssituation simulieren, beinhalten nur eine*n einzelne Akteur*in , welche*r aktiv Entscheidungen trifft und sieht keine strategisch entscheidenden Mitspieler vor. Aus Sicht der klassischen Spieltheorie ist dieser Begriff jedoch problematisch. Spieltheorie im engeren Sinn analysiert strategische Interdependenz: Das Ergebnis einer Entscheidung hängt davon ab, wie andere rationale Akteur*innen handeln. Fehlen weitere strategisch handelnde Akteur*innen, liegt streng genommen keine strategische Interaktion, sondern eine Entscheidung unter Sicherheit, Unsicherheit oder Risiko vor. 

Die handelnde Person wählt aus einer Menge möglicher Handlungen S diejenige Strategie s, welche gemäß seiner Präferenzen oder Zielfunktion u den größten erwarteten Nutzen erzeugt. Entscheidend ist, dass eine unsichere Umwelt nicht automatisch eine*n zweiten „Spieler*in“ darstellt. Naturereignisse, Zufall oder technische Prozesse besitzen keine strategische Intentionalität. Ein Mensch, der gegen ein zufälliges Wetterereignis plant, befindet sich daher in einer Entscheidungssituation; zwei Unternehmen, die ihre Preise jeweils unter Berücksichtigung der Reaktionen des Konkurrenten festlegen, befinden sich dagegen in einer strategischen Spielsituation (Dilger, A., 2022).

Beim Zwei-Personen-Spiel hingegen ist ein Spiel mit exakt zwei strategisch relevanten Akteur*innen. Beide Spieler*innen verfügen über eigene Strategiemengen und eigene Auszahlungsfunktionen.

Das zentrale Merkmal ist die strategische Interdependenz. Der Nutzen eines*r Spieler*in hängt nicht ausschließlich von seiner eigenen Strategie ab, sondern typischerweise von der Kombination beider Entscheidungen. Zwei-Personen-Spiele können sowohl kooperativ als auch nicht-kooperativ, simultan oder sequenziell sowie als Nullsummen- oder Nichtnullsummenspiele strukturiert sein (Arndt, A., Bartels, A. et al.).

Zwischen den einzelnen Spielen wird jeweils wieder unterschieden, wobei ein kooperatives Spiel im spieltheoretischen Sinne durch die institutionell oder formal relevante Möglichkeit gekennzeichnet ist, dass Akteur*innen verbindliche Vereinbarungen treffen und Koalitionen bilden können.

Die kooperative Spieltheorie abstrahiert häufig von der detaillierten Beschreibung einzelner Handlungen und untersucht stattdessen:

  • welche Koalitionen entstehen können,
  • welchen Gesamtwert eine Koalition erzeugen kann,
  • wie dieser Wert zwischen den Mitgliedern verteilt wird,
  • welche Verteilungen stabil oder normativ gerechtfertigt sind (Dilger, A., 2022).

Der entscheidende Unterschied zur nicht-kooperativen Spieltheorie besteht somit nicht darin, dass die Akteur*innen „freundlich“ handeln oder moralisch altruistisch sind. Kooperation kann auch zwischen strikt eigennützigen Akteur*innen stattfinden. Maßgeblich ist vielmehr die Frage, ob gemeinsame Vereinbarungen glaubwürdig und durchsetzbar sind.

Ein nicht-kooperatives Spiel ist ein Spiel, in dem die Entscheidungen einzelner Akteur*innen auf der Ebene individueller Strategien analysiert werden und verbindliche Vereinbarungen nicht einfach als gegeben vorausgesetzt werden.

Besonders wichtig ist eine verbreitete Fehlinterpretation: „Nicht-kooperativ“ bedeutet nicht „ohne Kooperation“. Spieler*innen können auch in einem nicht-kooperativen Spiel zusammenarbeiten. Der Unterschied besteht darin, dass kooperatives Verhalten selbst aus den individuellen Anreizen und strategischen Entscheidungen erklärt werden muss (Dilger, A., 2022).

Eine Kooperation ist somit nur dann dauerhaft plausibel, wenn sie selbstdurchsetzend ist. Kein*e Akteur*in darf unter den gegebenen strategischen Bedingungen einen hinreichenden Anreiz besitzen, einseitig von der vereinbarten Verhaltensweise abzuweichen 

Zudem gibt es sequenzielle Spiele, wobei Entscheidungen in einer zeitlich oder logisch geordneten Abfolge getroffen werden. Spätere Entscheidungen können dabei – abhängig von der Informationsstruktur – auf frühere Entscheidungen reagieren.

Die angemessene Darstellung erfolgt häufig in extensiver Form durch einen Spielbaum nach Arndt und Bartels. Dieser enthält:

  • Entscheidungsknoten,
  • mögliche Handlungen,
  • Informationsmengen,
  • Zufallsereignisse,
  • Endknoten und
  • die jeweiligen Auszahlungen.

Der zentrale Unterschied zu simultanen Spielen liegt in der Reihenfolge der Entscheidungsfindung. Ein früher handelnde*r Spieler*in kann die strategische Situation für spätere Akteur*innen verändern. Dadurch entstehen nach Arndt und Bartels Phänomene wie:

  • Glaubwürdigkeit von Drohungen,
  • strategische Selbstbindung,
  • Abschreckung,
  • Reputationsbildung,
  • First-Mover- und Second-Mover-Vorteile.

Ein wichtiges Lösungskonzept ist das teilspielperfekte Nash-Gleichgewicht. Es verlangt, dass die Strategien nicht nur im gesamten Spiel, sondern in jedem relevanten Teilspiel rational bzw. gleichgewichtsfähig sind. Dadurch werden insbesondere nicht glaubwürdige Drohungen ausgeschlossen (Arndt, A., Bartels, A. et al.).

Ein simultanes Spiel hingegen liegt vor, wenn die beteiligten Akteur*innen ihre strategischen Entscheidungen treffen, ohne die aktuelle Entscheidung der anderen Spieler*innen zu kennen. „Simultan“ bedeutet dabei nicht zwingend, dass die Handlungen physikalisch zur exakt gleichen Sekunde erfolgen. Entscheidend ist vielmehr die Informationsstruktur: Kein Spieler kann seine aktuelle Strategie als Reaktion auf die aktuelle, noch unbekannte Wahl des anderen festlegen.

Jede*r Spieler*in wählt eine Strategie; erst die Kombination aller Strategien bestimmt das Ergebnis (Arndt, A., Bartels, A. et al.).

Das klassische analytische Problem simultaner Spiele besteht darin, dass jede*r Spieler*in seine Entscheidung unter Berücksichtigung rationaler Erwartungen über die Entscheidungen der anderen treffen muss. Das Nash-Gleichgewicht ist deshalb ein zentrales Lösungskonzept.

Bezüglich des Gewinn und des Verlustes einzelner Spieler*innen gibt es in den Spielen klare Unterschiede. Ein Nullsummenspiel ist ein Spiel, bei dem die Summe aller individuellen Auszahlungen für jedes mögliche Spielergebnis konstant gleich null ist:

Der Gewinn des*r einen Spieler*in entspricht damit exakt dem Verlust des*r anderen. Die Interessenstruktur ist vollständig antagonistisch. 

Ein wichtiger theoretischer Punkt besteht darin, dass Nullsummenspiele und nicht-kooperative Spiele unterschiedliche Klassifikationsdimensionen:

  • nicht-kooperativ/kooperativ betrifft die institutionelle Struktur und die Modellierung von Vereinbarungen,
  • Nullsummen/Nichtnullsummen betrifft die Struktur der Auszahlungen (2015, Professor Rieck‘s Spieltheorie-Seite).

Ein Spiel kann also gleichzeitig nicht-kooperativ und ein Nullsummenspiel sein. Ferner sind Nullsummenspiele strategisch eng mit Konstantsummenspielen verwandt. Wenn die Summe aller Auszahlungen stets einer festen Konstante c entspricht, kann durch eine geeignete Transformation der Auszahlungen häufig eine strategisch äquivalente Nullsummendarstellung erzeugt werden.

Welches Risiko gehst du ein?

Um bei den oben beschriebenen Zwei-Personen-Spielen einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen, ist es notwendig eine möglichst gute Strategie zur wählen, wobei jede*r Spieler*in diese anders wählt. In der Regel sollte diese Entscheidung rational getroffen werden, da sie am sinnvollsten ist. Dieses rationale Entscheidungsverhalten wird in der normativen Entscheidungs- und Spieltheorie als ein Handeln verstanden, das systematisch an den Präferenzen eine*r Akteur*in, den verfügbaren Handlungsalternativen, den erwarteten Konsequenzen sowie der verfügbaren Information ausgerichtet ist. Rationalität bedeutet dabei zunächst nicht, dass eine Entscheidung tatsächlich zum bestmöglichen Ergebnis führt. Vielmehr ist eine Entscheidung dann rational, wenn sie angesichts der verfügbaren Informationen und der zugrunde gelegten Präferenzen nach einem konsistenten Entscheidungsverfahren getroffen wird (Joyce, J. M., 2009), (Harsanyi, J. C., 2009).

In der klassischen Entscheidungstheorie wird rationale Wahl häufig durch Nutzenmaximierung modelliert. Ein*e rationale*r Akteur*in ordnet möglichen Ergebnissen Nutzenwerte zu und wählt diejenige Handlung, deren Konsequenzen den eigenen Präferenzen am besten entsprechen. Unter Unsicherheit wird dieses Prinzip durch die Theorie des erwarteten Nutzens erweitert. Danach wird nicht lediglich der Nutzen eines möglichen Ergebnisses betrachtet, sondern die Wahrscheinlichkeit verschiedener Ergebnisse mit deren jeweiligem Nutzen verbunden. Insgesamt ist die  Theorie des erwarteten Nutzens bis heute ein zentraler normativer Bezugspunkt der rationalen Entscheidungstheorie. Im Kontext der Spieltheorie erhält Rationalität jedoch eine zusätzliche Dimension. Die Konsequenzen einer Entscheidung hängen hier nicht ausschließlich von zufälligen Umweltzuständen ab, sondern wesentlich von den Entscheidungen anderer strategischer Akteur*innen. Rationales Entscheidungsverhalten erfordert daher neben der Bewertung eigener Handlungsalternativen auch Erwartungen darüber, wie andere Spieler*innen handeln werden. Es werde entsprechend zwischen Postulaten rationalen Verhaltens und Postulaten rationaler Erwartungen unterschieden. Ein*e Spieler*in müsse also nicht nur entscheiden, welche Strategie seine eigenen Interessen am besten erfüllt, sondern zugleich begründete Erwartungen über die Strategien der anderen Spieler*innen bilden. Entscheidungen innerhalb eines Spiels unterscheiden sich grundlegend von isolierten Entscheidungen, weil sie durch strategische Interdependenz gekennzeichnet sind. Strategische Interdependenz liegt vor, wenn die Konsequenzen der eigenen Entscheidung nicht allein durch die eigene Handlung bestimmt werden, sondern zusätzlich von den Handlungen anderer Akteur*innen abhängen. Die Rationalität einer Entscheidung kann folglich nicht allein anhand der Frage beurteilt werden, welche Handlung isoliert betrachtet den höchsten Nutzen erzeugt. Entscheidend ist vielmehr, welche Konsequenzen eine Strategie in Abhängigkeit von den erwarteten Strategien der anderen Spieler* innen besitzt (Princeton).

Ein*e rational handelnde*r Spieler*in bildet folglich Erwartungen über die Entscheidungen die Mitspieler*innen und wählt eine Strategie, die unter diesen Erwartungen optimal erscheint. In diesem Zusammenhang ist das Konzept der besten Antwort zentral. Eine Strategie ist eine beste Antwort, wenn sie – unter der Annahme bestimmter Strategien der anderen Spieler*innen – keine andere verfügbare Strategie hinsichtlich des eigenen Nutzens übertrifft.

Das Nash-Gleichgewicht präzisiert diese Logik auf der Ebene des gesamten Spiels. Ein Strategienprofil befindet sich im Nash-Gleichgewicht, wenn jede Strategie eine*r Spieler*in eine beste Antwort auf die Strategien aller anderen Spieler darstellt. Kein*e Spieler*in kann seinen Nutzen durch eine einseitige Abweichung verbessern. Das Gleichgewicht beschreibt somit eine Situation gegenseitig konsistenter Entscheidungen und Erwartungen. Rationalität wird hier nicht als individuelle Eigenschaft isolierter Entscheidungen verstanden, sondern als Bestandteil eines Systems strategisch aufeinander bezogener Handlungen. Besonders relevant ist dabei, dass ein*e rationale*r Spieler*in nicht zwingend eine Handlung wählen muss, die unabhängig von allen Umständen optimal ist. Rationalität ist vielmehr konditional: Eine Entscheidung ist rational relativ zu bestimmten Informationen, Präferenzen und Erwartungen. Verändern sich diese Voraussetzungen, kann sich auch die rational optimale Strategie verändern (Colman, A. M., 2003).

Entscheidungen entstehen somit nicht im theoretischen Vakuum. Selbst innerhalb eines streng formalen Modells hängt die Wahl einer Handlung von mehreren strukturellen Faktoren ab. Von besonderer Bedeutung sind die verfügbaren Handlungsalternativen, die Präferenzordnung eine*r Akteur*in, die erwarteten Konsequenzen, die vorhandene Information sowie die Struktur der Unsicherheit.

Zunächst muss ein*e Akteur*in über eine Menge möglicher Handlungsalternativen verfügen. Rationalität setzt voraus, dass zwischen Alternativen überhaupt eine Präferenzrelation gebildet werden kann. In der klassischen Entscheidungstheorie wird angenommen, dass Präferenzen bestimmten Konsistenzanforderungen genügen. Dazu gehören insbesondere Vollständigkeit und Transitivität. Vollständigkeit bedeutet, dass ein*e Akteur*in zwei relevante Alternativen grundsätzlich miteinander vergleichen kann. Solche Anforderungen sind zentral, weil ohne eine hinreichend konsistente Präferenzordnung keine stabile Nutzenmaximierung möglich wäre. Ein zweiter zentraler Faktor ist die Informationslage. Eine Entscheidung kann unter vollständiger Information, unter Risiko oder unter Unsicherheit erfolgen. Unter Sicherheit sind die Konsequenzen einer Handlung eindeutig bekannt. Unter Risiko sind mehrere Ergebnisse möglich, deren Wahrscheinlichkeiten jedoch quantifizierbar sind. Unter fundamentaler Unsicherheit können dagegen weder die relevanten Ereignisse noch ihre Wahrscheinlichkeiten vollständig und zuverlässig bestimmt werden. Diese Unterscheidung ist für die Bewertung rationalen Handelns wesentlich, da unterschiedliche Informationsstrukturen unterschiedliche Entscheidungskriterien erfordern können. Darüber hinaus beeinflusst die Zeitstruktur die Entscheidung. In sequenziellen Situationen kann eine Entscheidung Informationen erzeugen oder spätere Handlungsmöglichkeiten verändern. Eine gegenwärtige Strategie wird daher nicht nur anhand ihres unmittelbaren Ergebnisses bewertet, sondern auch danach, welche zukünftigen Reaktionen sie hervorruft und welche strategischen Optionen sie eröffnet oder verschließt. Im spieltheoretischen Kontext werden Entscheidungen insbesondere durch die Auszahlungsstruktur, die Strategiemengen, die Informationsstruktur und die Erwartungen über andere Spieler*innen bestimmt. Die Auszahlungsstruktur legt fest, wie unterschiedliche Kombinationen von Entscheidungen bewertet werden. Dabei ist entscheidend, dass eine Handlung für eine*n Spieler*in nicht unabhängig von den Handlungen anderer beurteilt werden kann. Eine aggressive Strategie kann beispielsweise unter bestimmten erwarteten Reaktionen optimal sein, unter anderen jedoch erhebliche Nachteile verursachen. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Strategiemenge. Eine Strategie bezeichnet in der Spieltheorie nicht lediglich eine einzelne Handlung, sondern kann – insbesondere in sequenziellen Spielen – einen vollständigen Handlungsplan für alle möglichen Entscheidungssituationen darstellen. Rationales Verhalten erfordert daher, nicht nur eine unmittelbare Entscheidung zu bewerten, sondern mögliche zukünftige Situationen in die strategische Planung einzubeziehen. Von besonderer Bedeutung ist außerdem die Informationsstruktur. Ein*e Spieler*in kann Entscheidungen unter vollständiger oder unvollständiger Information treffen. Bei vollständiger Information sind relevante Strukturelemente des Spiels bekannt; bei unvollständiger Information bestehen Unsicherheiten über Merkmale anderer Spieler*innen oder der strategischen Situation. Dazu können beispielsweise die Präferenzen, Fähigkeiten oder verfügbaren Strategien anderer Akteur*innen gehören. Die Informationsstruktur beeinflusst somit unmittelbar, welche Erwartungen rational gebildet werden können. Hinzu kommt das Problem der gegenseitigen Erwartungen. Jede*r Spieler*in versucht, die Entscheidungen anderer vorauszusehen, während diese wiederum ebenfalls Erwartungen über sein Verhalten bilden. Rationalität in Spielen besitzt daher eine rekursive Struktur: Ein*e Spieler*in berücksichtigt nicht nur, was andere wahrscheinlich tun, sondern gegebenenfalls auch, was diese Spieler*in über seine eigenen Entscheidungen erwarten. Genau diese Verschachtelung strategischer Erwartungen unterscheidet spieltheoretische Entscheidungen von gewöhnlichen individuellen Entscheidungsproblemen (Behnke, J., 2013).

Psychische Faktoren können Entscheidungsverhalten beeinflussen, sollten jedoch – insbesondere wenn die Analyse primär spieltheoretisch ausgerichtet ist – nicht mit den normativen Grundlagen rationaler Entscheidung verwechselt werden. Die klassische Rational-Choice-Theorie versucht gerade, Entscheidungen zunächst unabhängig von individuellen psychologischen Mechanismen zu modellieren. Im Zentrum stehen beobachtbare Präferenzen, Handlungsalternativen, Informationen und Konsequenzen. Dennoch ist für die empirische Analyse relevant, dass tatsächliche Entscheidungen von den Annahmen idealisierter Rationalität abweichen können. Solche Abweichungen können unter anderem mit der Verarbeitung von Informationen, der subjektiven Wahrnehmung von Wahrscheinlichkeiten oder der Bewertung unsicherer Konsequenzen zusammenhängen. Die moderne Entscheidungstheorie hat deshalb zahlreiche Modelle entwickelt, welche die Differenz zwischen normativ rationalem Verhalten und deskriptiv beobachtbarem Verhalten untersuchen. Besonders bedeutsam ist hierbei die Unterscheidung zwischen einem Modell, das beschreibt, wie Akteur*innen rational handeln sollten, und einem Modell, das erklärt, wie Menschen tatsächlich entscheiden. Die Theorie des erwarteten Nutzens ist primär normativ konzipiert: Sie liefert ein System von Rationalitätsbedingungen, unter denen Entscheidungen als konsistent dargestellt werden können. Experimentelle Befunde, etwa die klassischen Allais- und Ellsberg-Paradoxien, zeigen jedoch, dass reale Entscheidungsträger diese Axiome nicht immer erfüllen. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass jede Abweichung irrational ist; vielmehr stellt sich die theoretische Frage, ob bestimmte Entscheidungssituationen zusätzliche Rationalitätskriterien erfordern (Bühlmann, H., Loeffel, H., Nivergelt, E., 1975). 

Für eine spieltheoretisch orientierte Untersuchung genügt daher zunächst die Feststellung, dass psychische Faktoren die tatsächliche Informationsverarbeitung und Präferenzbildung beeinflussen können. Ihre detaillierte Untersuchung sollte jedoch einer eigenständigen verhaltenswissenschaftlichen oder psychologischen Analyse vorbehalten bleiben.

Die Risikoabschätzung bezeichnet den Prozess, mögliche negative oder positive Konsequenzen einer Handlung unter unsicheren Bedingungen systematisch zu identifizieren und zu bewerten. Wissenschaftlich ist dabei eine präzise Unterscheidung zwischen Risiko und Unsicherheit erforderlich. Von Risiko spricht man typischerweise dann, wenn die möglichen Ereignisse bekannt und ihre Wahrscheinlichkeiten zumindest prinzipiell quantifizierbar sind. Unsicherheit liegt demgegenüber vor, wenn entweder die möglichen Ereignisse selbst oder ihre Eintrittswahrscheinlichkeiten nicht zuverlässig bestimmt werden können. Diese Unterscheidung geht auf eine grundlegende Tradition der ökonomischen und entscheidungstheoretischen Analyse zurück und bleibt für die Modellierung rationaler Entscheidungen von zentraler Bedeutung. Unter quantifizierbarem Risiko kann ein*e rationale*r Akteur*in mögliche Handlungen anhand ihrer erwarteten Konsequenzen vergleichen. Dabei reicht es jedoch nicht aus, lediglich den erwarteten monetären Wert zu berechnen. Entscheidend ist der Nutzen, den ein Ergebnis für die jeweilige*n Akteur*in besitzt. Zwei Alternativen können denselben Erwartungswert aufweisen, aber aufgrund unterschiedlicher Risikostrukturen unterschiedlich bewertet werden. Die Theorie des erwarteten Nutzens erklärt dies dadurch, dass der Nutzen einer Auszahlung nicht notwendigerweise proportional zu ihrer objektiven Größe ist. Die Risikoabschätzung lässt sich deshalb als Verbindung dreier analytischer Elemente verstehen: Eintrittswahrscheinlichkeit, Konsequenzgröße und Präferenzbewertung. Eine Handlung mit geringer Wahrscheinlichkeit eines sehr hohen Verlustes kann anders bewertet werden als eine Handlung mit hoher Wahrscheinlichkeit eines moderaten Verlustes, selbst wenn bestimmte aggregierte Kennzahlen ähnlich erscheinen (Milkau, U., 2024).

Im spieltheoretischen Kontext wird Risiko zusätzlich durch das Verhalten anderer Spieler erzeugt. Ein*e Akteur*in muss nicht nur zufällige Ereignisse berücksichtigen, sondern auch strategische Unsicherheit. Die zentrale Frage lautet daher: Welche Konsequenzen ergeben sich aus meiner Strategie, wenn andere Spieler*innen unterschiedlich handeln? Risikoabschätzung wird damit zu einem Problem der Bewertung alternativer Strategien unter verschiedenen möglichen Reaktionen der Mitspieler*innen.

Eine besonders wichtige Konsequenz ist, dass rationale Risikoabschätzung nicht mit maximaler Risikovermeidung gleichzusetzen ist. Ein*e rationale*r Akteur*in versucht nicht zwangsläufig, jede Gefahr zu minimieren, sondern bewertet Risiken im Verhältnis zu den erwarteten Nutzenwirkungen und zu seinen Präferenzen. Risikobereitschaft und Rationalität sind daher keine Gegensätze. Entscheidend ist vielmehr, ob die Übernahme eines Risikos mit einer konsistenten Bewertung möglicher Konsequenzen und der verfügbaren Information vereinbar ist. Die moderne Debatte über erwarteten Nutzen und alternative Risikomodelle bestätigt, dass Risikosensitivität innerhalb rationaler Entscheidungstheorien auf unterschiedliche Weise formalisiert werden kann (Milkau, U., 2024).

Zusammenfassend lässt sich Risikoabschätzung als ein zentraler Bestandteil rationalen Entscheidungsverhaltens verstehen: Ein*e Akteur*in identifiziert mögliche Zustände der Welt, ordnet ihnen Wahrscheinlichkeiten oder subjektive Überzeugungen zu, bewertet deren Konsequenzen anhand seiner Präferenzen und wählt anschließend diejenige Handlung, die nach dem verwendeten Rationalitätskriterium am vorteilhaftesten erscheint. Unter strategischer Interdependenz muss diese Bewertung zusätzlich die möglichen Entscheidungen anderer Akteur*innen einbeziehen.

Literaturverzeichnis

(https://www.spektrum.de/lexikon/philosophie/spieltheorie/1919?utm, Arndt, A., Bartels, A., et al., Spektrum der Wissenschaft, Spieltheorie, Metzler Lexikon Philosophie)

(https://www.utb.de/doi/book/10.36198/9783838537610, Behnke, J., 2013, Entscheidungs- und Spieltheorie, S. 217-243)

(https://books.google.de/books?hl=de&lr=&id=3lyoBgAAQBAJ&oi=fnd&pg=PA3&dq=psychische+Faktoren+entscheidung+Spieltheorie+wissenschaftliche+arbeit&ots=1Gh2PcHRAo&sig=ZqbISbKy8CAtFnR7Tvhtv1jkDUw#v=onepage&q&f=false, Bühlmann, H., Loeffel, H., Nievergelt, E., 1975, Entscheidungs- und Spieltheorie: Ein Lehrbuch für Wirtschaftswissenschaftler)

(https://www.herder.de/staatslexikon/artikel/spieltheorie/, Dilger, A., 2022, Spieltheorie Staatslexikon)

(https://www.cambridge.org/core/books/abs/rational-behaviour-and-bargaining-equilibrium-in-games-and-social-situations/rational-behavior-under-certainty-risk-and-uncertainty/16DF604A678747B8033BD23C12F89A30?utm, Harsanyi, J. C., 2009, Rational Behaviour ans Bargaining Equilibrium in Games and Social Situations, S. 22-47)

(https://www.cambridge.org/core/books/abs/foundations-of-causal-decision-theory/savages-theory/9EB3306FC56696F205C43EFF41FA48B0?utm, Joyce, J. M., 2009, The Foundations of Causal Decision Theory, S. 78-113) 

(https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-44202-6, Milkau, U., 2024, Risiko jenseits wiederholter Spiele)

(https://assets.press.princeton.edu/chapters/s2-10001.pdf?utm, Princeton, Introducing Uncertainty and Time)

(https://www.mehr-davon.de/content/spiel.pdf, Scholz, D., 2007, Spieltheorie)

(https://www.spektrum.de/lexikon/mathematik/spiel/9891, Prof. Dr. Walz, G. Spektrum der Wissenschaft, Lexikon der Mathematik, Spiel)

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Psychologische Betrachtung des Spiels ../../../kurs-1/interdisziplinaeres-projekt-psychologische-betrachtung-des-spiels/index.html ../../../kurs-1/interdisziplinaeres-projekt-psychologische-betrachtung-des-spiels/index.html Thu, 27 Aug 2026 08:00:00 +0000 ../../../index.html

Im interdisziplinären Projekt zum Thema Psychologie haben wir mit Personen aus dem Kurs 1.3 kooperiert und zunächst mit 8 Personen ein Planspiel gespielt, dessen Prinzip wie folgt aussieht: Mit den 8 Spieler*innen werden 4 geheime Zweierteams gebildet. Alle Spielende besitzen dauerhaft zwei unterschiedlich farbige Ressourcenblöcke, wobei insgesamt fünf verschiedene Farben vorkommen, die unterschiedlich häufig verteilt sind.

In jeder Runde gibt es eine*n Verhandlungsleiter*in, der innerhalb von zwei Minuten durch den Handel mit einem oder mehreren anderen Spieler*innen eine Farbkombination aus 3, 4 oder 5 verschiedenen Farben sammeln muss. Die erreichte Kombination bestimmt dabei die Punktzahl, die sich aus der Anzahl der verschiedenen Farben multipliziert mit 5 ergibt (z. B. 3 Farben = 15 Punkte). Wird die geforderte Kombination innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht erreicht, erhält der Verhandlungsleiter lediglich die Punkte für einen Block.

Beim Handel können Punkte gegen benötigte Ressourcen eingetauscht werden, wobei die für eine Ressource gezahlten Punkte jeweils dem*der entsprechenden Handelspartner*in gegeben werden. Das Ziel des Spiels besteht darin, gemeinsam in den geheimen Zweierteams möglichst viele Punkte zu sammeln, ohne dass die anderen Spielenden erkennen, wer zu welchem Team gehört. Deshalb ist es für den*die Verhandlungsleiter*in besonders vorteilhaft, mit dem*der eigenen Teampartner*in zu handeln, da die dafür gezahlten Punkte auf diese Weise im eigenen Team bleiben und nicht an andere Teams verloren gehen.

Insgesamt haben wir 3 Durchläufe des Planspiels gespielt, was dazu geführt hat, dass wir während des Spiels unterschiedliche Strategien entwickelt haben. Beim dritten Durchlauf haben wir einige Faktoren geändert. So haben wir die Punktzahl pro Block von 5 Punkte auf 10 Punkte erhöht und haben in der letzten Runde die Diskussionen im Stehen statt im Sitzen zu führen.

Definition des Spiels

Ein solches Spiel beschreibt die Biologie mit ihrem Spielverständnis, da sie das Spielen als Leistungsbestätigung der kognitiven Fähigkeiten ohne tieferen Sinn in der Tätigkeit versteht. Dabei unterscheidet sie zwischen den verschiedenen Entwicklungsformen zwischen Spielen in ihrer Schwierigkeit. Es deckt mit seinen Formen die verschiedenen Ansprüche in jeglichen Bereichen ab, weshalb vor allem Kinder das Spielen auch zur Entwicklung nutzen (Anhäuser, M., Arnheim, Dr. K., et al.).

Auf die Frage warum die Menschen überhaupt spielen, gibt es verschiedene Erklärungsansätze, wobei diese sich in ihrer Psychologie nicht ausschließen, sondern eher ergänzen. 

Zum einen erschließen sich besonders Kinder durch das Spiel ihre Umwelt. Sie trainieren Sinne, Motorik, Wahrnehmung, Gedächtnis und Problemlösungsfähigkeiten. Spielen bereitet somit bereits früh auf spätere Anforderungen des Lebens vor. Außerdem dient das Spiel zur kulturellen Entwicklung, da es als wichtiger kulturbildender Faktor gelte. Aus Spiel, Wettkampf, Regeln und gemeinsamen Ritualen können soziale Strukturen und kulturelle Formen entstehen. Für viele Personen bietet die Tätigkeit aber auch einen Ausgleich zu den Pflichten und Belastungen des Alltags. Es kann Stress abbauen, zur Ruhe beitragen und Entspannung ermöglichen oder auch die Gesellschaft durch die Familie unterstützen. Im Spiel können Fähigkeiten und Verhaltensweisen gefahrlos ausprobiert und eingeübt werden. Kinder lernen beispielsweise durch Rollenspiele soziale Rollen, durch Bewegungsspiele den Umgang mit ihrem Körper und durch Regelspiele den Umgang mit Regeln. Sportliche Spiele ermöglichen es, sich mit anderen zu messen. Dadurch können Selbstvertrauen, Leistungsfähigkeit und Selbstwahrnehmung gestärkt werden. Gemeinsames Spielen fördert zusätzlich Kommunikation, Kooperation und Teamfähigkeit. Spieler*innen lernen, auf andere Rücksicht zu nehmen, sich in Gruppen einzufügen und gemeinsam Probleme zu lösen. Dabei kann es hilfreich sein, sich in andere Personen einfühlen zu können. Rollenspiele ermöglichen es, andere Sichtweisen einzunehmen und unterschiedliche soziale Situationen auszuprobieren. Dadurch können Empathie sowie Selbst- und Fremdwahrnehmung gefördert werden. Insgesamt werden beim Spielen Spielelemente genutzt, um Menschen zu motivieren. Durch Belohnungen, Herausforderungen und Erfolgserlebnisse können beispielsweise beim Lernen oder Arbeiten die Motivation und der Ehrgeiz einer Person gesteigert werden, da sich so ein Belohnungssystem etabliert. Besonders Glücksspiele können durch Unsicherheit, Zufall und die Aussicht auf einen Gewinn Spannung erzeugen. Dabei wird das menschliche Belohnungssystem angesprochen (Paracelsus die Gesundheitsakademie, 2024).

Eine Form des Spieles ist das Als-ob-Spiel und bezeichnet eine Form des symbolischen Spiels, bei der eine Person absichtlich und bewusst in einem imaginativen oder kontrafaktischen Handlungsrahmen agiert. Zentral ist dabei die Fähigkeit, einen Gegenstand, eine Handlung, eine Person oder eine Situation nicht gemäß ihrer tatsächlichen Realität, sondern entsprechend einer imaginär zugeschriebenen Bedeutung zu behandeln  (Smiths-van der Nat, M., vader Wilt, F. et al., 2024).

Der wissenschaftliche Kern des Als-ob-Spiels besteht somit in einer doppelten Repräsentationsstruktur: Die handelnde Person erkennt einerseits die tatsächliche Beschaffenheit der Situation und behandelt sie andererseits vorübergehend so, als ob eine alternative Wirklichkeit bestünde. Ein Holzklotz kann beispielsweise tatsächlich als Holzklotz erkannt und zugleich im Spiel als „Apfel“ behandelt werden.

In der entwicklungspsychologischen Literatur werden unter anderem folgende Komponenten des Als-ob-Spiels unterschieden:

  • Objektsubstitution: Ein realer Gegenstand repräsentiert einen anderen Gegenstand.
  • Zuschreibung imaginärer Eigenschaften: Ein Objekt erhält Eigenschaften, die es tatsächlich nicht besitzt.
  • Rollenübernahme: Eine Person handelt innerhalb einer imaginären sozialen Identität oder Rolle.
  • Imaginäre Handlungskontexte: Handlungen werden innerhalb einer kontrafaktischen Situation interpretiert.
  • Metakommunikation über die Fiktion: Beteiligte signalisieren einander, wie die imaginäre Situation zu verstehen ist (Smiths-van der Nat, M., vader Wilt, F. et al., 2024).

Wissenschaftlich besonders präzise lässt sich das Als-ob-Spiel daher als intentionales, nicht-wörtliches und nicht-ernsthaftes Handeln innerhalb eines kontrafaktischen Bedeutungsrahmens definieren. Die handelnde Person führt eine Handlung aus, ohne die imaginierte Situation mit der tatsächlichen Realität zu verwechseln. Gerade diese Differenz zwischen Realität und bewusst erzeugter Fiktion unterscheidet das Als-ob-Spiel von Täuschung, Irrtum oder bloßer Fehlwahrnehmung (Tummolini, L., Castelfranchi, C., 2006).

Nach dem Planspiel haben wir uns zusammengesetzt und über verschiedene Faktoren reflektiert. Dabei standen im Fokus zum einen, wie es zu Kooperation und der Bildung von Koalitionen kam, aber auch Aspekte bezüglich des Diskussionsverhaltens, des Sprechanteils und Entscheidungen treffen unter Zeitdruck.

Unsere Reflexion und Analyse

Um einzelne Spielsituationen auf psychologischer Ebene besser analysieren zu können, haben wir uns anschließend den Artikel „The Social Essers of Emotions“ von G. A. Van Kleefeld und S. Côté durchgelesen. Darin wird unter anderem beschrieben, dass Menschen Emotionen von anderen Menschen übernehmen können. Dabei geht es sowohl um direktes Nachahmen als auch um Prozesse wie Perspektivübernahme und die Interpretation einer Situation (van Kleef, G., Côté, S., 2018).

Eine Emotion kann beim Gegenüber dabei sowohl eine ähnliche als auch eine komplementäre Emotion auslösen. So kann beispielsweise Wut beim Gegenüber Angst hervorrufen (van Kleef, G., Côté, S., 2018). Emotionen beeinflussen außerdem, wie wir andere Menschen wahrnehmen und einschätzen. Menschen schließen aus Emotionen anderer beispielsweise darauf, wie vertrauenswürdig oder sympathisch eine Person ist, welche Absichten sie hat, wie viel Macht oder Status sie besitzt oder wie gut sie selbst gerade gehandelt hat (van Kleef, G., Côté, S., 2018).

Dabei haben unterschiedliche Emotionen auch unterschiedliche Wirkungen. Freude und Dankbarkeit signalisieren beispielsweise Sicherheit und Nähe, während Wut oder Stolz eher auf Durchsetzung und Macht schließen lassen. Welche Wirkung eine Emotion tatsächlich hat, hängt jedoch stark von der jeweiligen sozialen Situation ab (van Kleef, G., Côté, S., 2018). Auch Faktoren wie die Erkennbarkeit der Emotionen, die Aufmerksamkeit, die ihr entgegengebracht wird, sowie Status, Kultur und Machtverhältnisse zwischen den Personen spielen dabei eine Rolle (van Kleef, G., Côté, S., 2018).

Aus diesen Informationen haben wir verschiedene Strategien für unser Planspiel abgeleitet. Es kann sinnvoll sein, während des Spiels Emotionen wie Freundlichkeit, Freude oder Dankbarkeit zu zeigen, da diese Sicherheit und Nähe signalisieren und dadurch Vertrauen und Kooperation fördern können. Gerade bei Verhandlungen kann eine positive bzw. offene Haltung dazu beitragen, dass andere Spieler*innen eher bereit sind, mit einem zusammenzuarbeiten oder Ressourcen zu tauschen. Gleichzeitig kann man aber auch gezielt Stolz zeigen, um selbstbewusst und dominant zu wirken und dadurch den Eindruck zu vermitteln, dass man sich gut mit dem Spiel auskennt und eine gewisse Machtposition einnimmt. Dies kann dazu führen, dass andere Spieler*innen die eigene Position ernster nehmen und einem mit mehr Respekt gegenübertreten.

Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, die eigenen Emotionen nicht zu stark oder unpassend einzusetzen, da ihre Wirkung stark von der jeweiligen Situation abhängt. Beispielsweise kann Wut zwar Durchsetzungsvermögen und Macht signalisieren, allerdings kann sie auch beim Gegenüber Angst oder Unsicherheit hervorrufen und dadurch die Verhandlung erschweren. Auch genervtes oder ablehnendes Verhalten kann die Bereitschaft zur Kooperation verringern. Deshalb sollte man vermeiden, während einer Verhandlung dauerhaft genervt oder unzufrieden zu wirken, vor allem wenn man auf die Zusammenarbeit mit einem*einer anderen Spieler*in angewiesen ist.

Neben dem gezielten Zeigen von Emotionen kann es auch sinnvoll sein, die Emotionen der anderen Spieler*innen aufmerksam zu beobachten. Wenn man darauf achtet, ob jemand beispielsweise glücklich, unsicher oder wütend wirkt, kann man daraus Rückschlüsse auf dessen Absichten ziehen. Wirkt ein*e Spieler*in beispielsweise unsicher, könnte das darauf hindeuten, dass jemand noch keine klare Entscheidung getroffen hat und somit möglicherweise leichter von einem anderen Angebot überzeugt werden kann. So können Emotionen nicht nur die eigene Wirkung auf andere beeinflussen, sondern auch als zusätzliche Informationen über die anderen Spieler*innen genutzt werden.

Literaturverzeichnis

(https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/spiel/62686, Anhäuser, M., Dr. Arnheim, K., et al., Spektrum der Wissenschaft, Lexikon der Biologie, Spiel)

(https://www.cambridge.org/core/journals/behavioral-and-brain-sciences/article/abs/cooperation-psychological-game-theory-and-limitations-of-rationality-in-social-interaction/AE4AFA6432417827D1FA705AD1892448?utm, Colman, A. M., 2003, Coorperation, psychological Game theory, and limitations of rationality in social interaction) 

(https://link.springer.com/article/10.1007/s10648-024-09884-z?utm, Smiths-van der Nat, M., vader Wilt, F. et al., 2024, The Value of Pretend Play for Social Competence in Early Childhood: A Metaanalysis)

(https://www.psych.uni-goettingen.de/de/development/pdfs/1-2006-rakoczyh1.pdf?utm, Tummolini, L., Castelfranchi, C., 2006)

(https://www.paracelsus.de/magazin/ausgabe/sonstiges/psychologie-des-spiels-die-relevanz-des-spieltriebs-fuer-die-menschliche-entwicklung, 2024, Psychologie des Spiels – Die Relevanz des Spielbetriebs für die menschliche Entwicklung)

van Kleef, G., Côté, S. (2018). The social effects of Emotions. Annual Review of Psychology

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